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Heimbach: Spannungen: Zweiter Geniestreich mit Duo-Sonaten

Heimbach : Spannungen: Zweiter Geniestreich mit Duo-Sonaten

„Spannungen: special” im ausverkauften Jugensstilkraftwerk begeisterten am Wochenende an zwei Abenden mit dem zweiten Geniestreich der Duo-Sonaten von Johannes Brahms, diesmal mit Boris Pergamenschikow (Violoncello) und wieder Lars Vogt (Klavier).

Schienen die ersten Konzerte mit den Sonaten für Violine und Klavier durch Christian Tetzlaff und Lars Vogt kaum überbietbar, so setzten die reichhaltigen Klangfarben des Cellos neue Maßstäbe von überwältigend schöner Qualität.

Beide Konzerthälften begannen mit Robert Schumann. Zuerst drei „Fantasiestücke op.73”, ursprünglich für Klarinette und Klavier, deren Charakter „Zart und mit Ausdruck.

Lebhaft, leicht. Rasch und mit Feuer” schon das exzellente Zusammenspiel der beiden Solisten erkennen ließ: Pergamenschikow innig lauschend mit seinem Instrument verbunden, Vogt mit aufmerksamer Sensibilität vom delikatesten Piano bis zum zupackenden Ausbruch der beiden.

Auch Schumanns „Drei Romanzen op.94” boten mit ihren liedhaften und dialogischen Elementen eine anmutige Vorbereitung. Die größte Aufmerksamkeit beanspruchten dann die Brahms-Sonaten für Klavier und Violoncello, Nr. 1 e-Moll op.38 und Nr.2 F-Dur op.99.

Entscheidend ist, wie Themen und Melodien mit dem Klangreichtum gleichwertige Zwiesprache, fugisches Miteinander und bestaunte Virtuosität herausfordern. Bei Nr. 1. erfrischte das tänzerisch spritzige Scherzo vor dem furiosen dritten Satz mit dessen stets neu aufsprießenden Steigerungen.

Aus Frage und Antwort erzeugte der spielerische Gestus oft die klangliche Einheit eines einzigen Instrumentes. Brausender Beifall bedachte schon vor der Pause diese Intensität musikalischer Spannungen.

Noch gewichtiger war die symphonische Größe in der Sonate Nr.2, die gemäß den Bezeichnungen Allegro vivace, Adagio affetuoso, Allegro passionato und Alegro molto kongenial gestaltet wurde.

Pergamenschikow schlug Auge und Ohr in Bann. Bezeichnenderweise riss bei der Expressivität der Pizzicato-Doppelgriffe am ersten Abend eine Saite. Nach Behebung des Schadens entschied Lars Vogt: „Den zweiten Satz von vorne. Die Musik ist ja so schön.”

Lang anhaltender, lautstarker Applaus bescherte zwei Zugaben: mit einem Brahms-Lied zurück zu melodiöser Innigkeit, mit Fritz Kreislers „Schön Rosmarin” musikantisch-witzige Feinnervigkeit.