1. Kultur

Aachen: Spannend: „Abendstunde im Spätherbst“ im Grenzlandtheater

Aachen : Spannend: „Abendstunde im Spätherbst“ im Grenzlandtheater

„Was kann man denn schon groß aus einem alten Hörspiel machen?“ Fragt sich die Dame im Foyer des Aachener Grenzlandtheaters. Die darauf folgenden 70 Minuten „Abendstunde im Spätherbst“ lassen es offenbar werden.

Ein intensives Kammerspiel und ein höchst spannendes Duell, das ganz ohne Pistolen oder Degen ausgetragen wird. Ein Duell zwischen zwei Männern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Unter der einfallsreichen Regie von Udo Schürmer wird das „alte Hörspiel“ von 1956 so zum köstlichen Nervenkitzel.

Denn der Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) bewies nicht nur mit Stücken wie „Der Besuch der alten Dame“ oder „Die Physiker“ sein dramatisches Talent, sondern nutzte auch das Muster des Kriminalromans („Der Richter und sein Henker“) wie auch des Hörspiels.

In einem „hübsch-hässlichen“ Arbeitsraum (Bühne und Kostüme: Steven Koop) mit versenkter Bar und schmutzig-bräunlichen Farben sitzt der Erfolgsautor Korbes und bewundert eitel sich selbst und sein Werk. Gestört wird diese „Andacht“ von einem seltsamen Gast, den er am liebsten gleich wiederhinaus expedieren möchte. Doch der scheue Buchhalter Hofer zeigt sich bald als interessanter Gast.

Großartig besetzt

Die Besetzung der beiden so unterschiedlichen Herren erweist sich als Glücksfall: Den gefallsüchtigen Korbes, der auch Literatur-Nobelpreisträger ist, spielt Frank Büssing, der zum dritten Mal im Grenzlandtheater zu sehen ist. Michael Gerlinger ist als „Anbeter“ und veritabler Kenner von Korbes’ Werken ist ein idealer „Gegenspieler“ — der sich allerdings rasch als akribischer Privatdetektiv erweist.

Korbes’ Kriminalromane sollen ja Tatsachenberichte sein, weiß der pingelige Hofer, und zieht daraus den Schluss, dass auch die Mörder tatsächlich existieren müssen. Hofer wirkt bald wie ein Stalker, der sich auf die Spuren des verehrten Schriftstellers begibt, dann wieder wie ein besessener „Aufklärer“. Und der hochverehrte „Meister“ kommt sichtbar ins Grübeln. Zwischen Witz und Whisky entsteht eine spannungsreiche Atmosphäre, die das Stück in ein völlig unerwartetes Ende führt.

Rauschender Applaus für die gefährliche „Abendstunde im Spätherbst“ und die fulminanten Schauspieler.