1. Kultur

Frankfurt/Main: Sonya Kraus geht zum Theater

Frankfurt/Main : Sonya Kraus geht zum Theater

Als die Anfrage kam, glaubte Sonya Kraus zunächst an einen Streich. „Ich war fest überzeugt, dass ich bei der Versteckten Kamera gelandet war”, erzählt die TV-Moderatorin.

Dass jemand sie für eine Rolle in einem Theaterstück - einem englischsprachigen noch dazu - auserkoren hatte, schien ihr unwahrscheinlich.

„Meine bisherigen schauspielerischen Erfahrungen beschränken sich auf irgendwelche Ulknudeln, oder ich spiele ein Klischee - und das ist jetzt etwas ganz anderes”, betont Kraus.

Gestapo-Fräulein Fischer

Am 16. Februar feiert die 34-Jährige am English Theatre in Frankfurt am Main ihr Debüt als Theaterschauspielerin. Kraus hat in dem Broadwaystück „A Picasso” aus der Feder von Jeffrey Hatcher die Rolle der Gestapo-Agentin Fräulein Fischer übernommen, die 1941 in Paris Pablo Picasso verhört, weil Bilder des Künstlers verbrannt werden sollen.

Bei einem ersten Treffen mit Theaterintendant Daniel John Nicolai sei ihr klar geworden: „Der meint das tatsächlich ernst. Er war fest davon überzeugt, dass ich sozusagen sein Parade-Fräulein-Fischer bin”, erinnert sich Kraus in einer Mittagspause während der Proben bei Spaghetti Bolognese.

Auf ihre Frage, wie er darauf komme, verriet der Intendant, er habe gehört, sie sei „sehr diszipliniert und typisch Deutsch”. In einem Workshop gab es erste Proben mit der Moderatorin von ProSieben-Sendungen wie „Talk Talk Talk”, „Do It Yourself - S.O.S” und aktuell „Simply The Best”.

Zuversichtlich stimmte Kraus vor allem, dass auch Picasso-Darsteller Tim Hardy nach den Proben überzeugt gewesen sei. „Ein Shakespeare-Schauspieler von der Royal Academy of Dramatic Art”, sagt Kraus über ihren Bühnenpartner voller Respekt.

Also entschied sie: ”Warum nicht? Tu es einfach für dich. Es ist eine Herausforderung und ein Abenteuer.„ Auch von dem Bühnenstück sei sie sofort begeistert gewesen: ”Ich habe es gelesen und fand es so schlau und so spannend. Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Picasso und Miss Fischer, von der man erfährt, dass sie in einer schwierigen Situation steckt. Das hat mich gleich gefesselt„, betont Kraus.

Spekulationen, sie wolle nun womöglich dauerhaft ins Bühnenfach wechseln, weist die Moderatorin, die 2007 mit der Komödie „War ich gut?” ihr Debüt als Fernsehschauspielerin gab, allerdings zurück. ”Das ist ein kleiner Betriebsausflug. Ich bleibe trotzdem das TV-Plauderpüppchen„, sagt sie.

Lampenfieber hat Kraus dafür nun um so mehr. ”Ich werde sterben vor der Premiere.„ Einige Hürden sind zu nehmen: ”A Picasso„ ist ein Zwei-Mann-Stück, ein Ein-Akter mit einer Stunde und 40 Minuten Länge, ”das heißt, keiner von uns verlässt die Bühne„.

Neuer Akzent

Ihren ursprünglich US-amerikanischen Akzent im Englischen musste sich Kraus abtrainieren und sich zuerst einen britischen und dann noch „einen falschen deutschen Akzent” zulegen.

Die 70 Seiten Text lernte sie dagegen schnell und besonders gern beim Gassi gehen mit ihren Hunden. „Da bin ich Miss Fischer sehr ähnlich - diszipliniert, pünktlich, hart zu sich selbst”, scherzt sie.

Als sie bei ihren vermeintlichen Selbstgesprächen auf offener Straße immer wieder verblüfft von Passanten angestarrt worden sei, habe sie irgendwann mit den Ohrstöpseln ihres Handys Telefongespräche vorgetäuscht.

Bis zum 6. April wird sie mittwochs bis sonntags auf der Bühne stehen und an den freien Tagen zusätzlich ihren Aufgaben im Fernsehen nachkommen.

Mit Blick auf mögliche Pannen beruhigt Kraus vor allem ein Gedanke: „Ich versuche mich damit zu trösten, dass, wenn ich mich blamiere, dies nur vor 400 Leuten geschieht und nicht wie im Fernsehen vor Millionen.”

Erschwerend komme allerdings hinzu, dass bei der Premiere in ihrer Heimatstadt Frankfurt am Main auch „alle kommen werden, die mir am Herzen liegen - und das ist schrecklich”.

Überhaupt macht sich Kraus mit ein wenig Sarkasmus in Sachen Kritiken auf alles gefasst: „Entschuldigung - Sonya Kraus spielt Theater, welche Reaktionen erwarte ich da wohl? Aber mein Rücken ist breit”, versichert sie lachend und fügt hinzu: „Mir bringt diese Erfahrung auf jeden Fall ein größeres Selbstbewusstsein.”