Würselen: Songs auf Zetteln aus dem Beutel: Jan Plewka und Marco Schmedtje

Würselen : Songs auf Zetteln aus dem Beutel: Jan Plewka und Marco Schmedtje

Jan Plewka und Marco Schmedtje haben viel erlebt in 18 Jahren gemeinsamer musikalischer Geschichte. „Vieles wissen wir auch gar nicht mehr“, kokettiert Plewka vor ausverkauftem Saal im Alten Rathaus in Würselen. Doch die wirklich wilden Zeiten mit der getrennten und inzwischen wiedervereinten Band Selig sind inzwischen vorbei.

Heute kommt deren hagerer Sänger mit alkoholfreiem Bier und Wasser auf die Bühne. Sein Charme sprudelt dennoch von der ersten Minute an über.

„Between the Bars“ gibt eine Rückschau auf das Schaffen der beiden Musiker: Das gemeinsame Repertoire umfasst Eigenkompositionen von den jeweiligen Soloalben und der gemeinsamen Band Zinoba ebenso wie Cover. 200 Songs befinden sich angeblich auf Zetteln in einem Stoffbeutel, aus dem Plewka das Publikum immer wieder einen ziehen lässt.

Dabei kann das Los eigentlich nur auf Hits fallen: „Mrs. Robinson“, „Sound of Silence“, „Für immer und dich“, „Junimond“, die Zinoba-Songs „Im Grunde“ und „Wenn Liebe käme“. Plewka singt die Balladen sitzend mit viel Inbrunst, steht bei Mrs. Robinson auf und reißt die Arme in die Luft, fängt spätestens bei „Mein Name ist Mensch“ (Ton, Steine, Scherben) zu tanzen an. Manchmal wirkt er dabei, als stünde er vor einem Stadionpublikum und nicht vor einem bestuhlten Saal mit 180 Menschen.

Auch dieser Rahmen scheint ihm aber zu gefallen: Plewka wirkt sympathisch, nahbar, bescheiden. Die Zuschauer, viele mit Sicherheit Selig-Fans der ersten Stunde, lassen sich von seinem verschmitzten Charme begeistern, hängen an seinen Lippen, wenn er anekdotisch die Entstehungsgeschichte der Lieder erzählt. Seine warme Stimme variiert problemlos zwischen gefühl- und kraftvoll.

Schmedtje ist im Programm mehr als nur Sidekick, begleitet gesanglich und auf der Akustikgitarre und präsentiert auch Songs von der eigenen Solo-Platte („Ich kann für dich nicht alles sein“). Am Ende ist der Stoffbeutel leer und das Publikum glückselig.

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