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Köln: Sogar für die Panzertür zahlt der Gast extra

Köln : Sogar für die Panzertür zahlt der Gast extra

Kunden von „Billig-Airlines” kennen das böse Spiel seit langem: Ein Schnäppchen-Flugpreis entpuppt sich bei näherem Hinsehen als doch nicht so günstig, weil noch alle möglichen und unmöglichen Zuschläge (Steuern, Gebühren) hinzukommen.

Dabei werden oft zu den niedrigsten Flugpreisen die höchsten Zuschläge verlangt, die sogar ein Mehrfaches des Flugpreises ausmachen können.

Leif Erichsen, Sprecher der „Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen” (ADV) in Berlin, ärgert sich darüber, dass „viele Airlines mit der sogenannten Tax-Box Schindluder treiben und da einzelne Positionen verstecken, die eigentlich Bestandteil des regulären Ticketpreises sein müssten”. Die Flughäfen grollen nicht ohne Grund. Erichsen: „Der Kunde denkt, dass Flughäfen und Staat sich hier bereichern, aber dem ist nicht so.”

Variable Abgaben

Tatsächlich sind die Luftsicherheitsgebühr (für die Durchsuchung von Passagieren und Gepäck) und die passagierbezogenen Flughafengebühren (für Nutzung der Terminaleinrichtungen und für von der Polizei in Rechnung gestellte Sicherheitskontrollen des Flughafen-Personals) feste Größen, die pro Kopf und unabhängig vom Flugpreis anfallen.

So beträgt die aktuelle Luftsicherheitsgebühr pro Passagier etwa in Düsseldorf 3,93 Euro, in Köln 4,05 Euro, in Frankfurt 6,55 Euro. Die Flughafenabgabe variiert von Airport zu Airport. Köln kassiert etwa für Passagiere von EU-Flügen sieben, sonst 7,40 Euro). Hinzu kommen in Köln noch 98 Cent für die polizeiliche Kontrolle der am Flughafen tätigen Mitarbeiter. Im Zuschlag von TUIfly sind außerdem passagierbezogene Versicherungsprämien (für Versicherungen gegen Krieg und Terror und für von Passagieren verursachte Schäden) und ein Kerosin-Zuschlag enthalten. Eine Menge Luft ist offenbar in den Treibstoff-Zuschlägen.

TUIfly gibt den Sprit-Zuschlag mit sieben auf innerdeutschen Strecken, sonst mit 10,75 Euro an. Condor verlangt einheitlich 21 Euro, Air Berlin 28 Euro (dafür sind da Steuern und Gebühren mit sechs Euro am niedrigsten).

Germanwings kassiert für einen Flug nach Mallorca 10,75 Euro Kerosin-Zuschlag, verlangt aber außer unterschiedlichen Abfertigungsgebühren noch eine einheitliche „Surcharge” (englisch für Zuschlag) von 6,95 Euro. Auf Nachfrage erläutert das Unternehmen, dass damit erhöhte Sicherheitsanforderungen wie der Einbau von Kameras vor der Cockpit-Tür und die gepanzerte Tür zum Cockpit auf die Passagiere umgelegt werden. Bei über sieben Millionen Passagieren(2006) kommen so im Jahr rund 50 Millionen Euro zusammen oder 1,8 Millionen pro Maschine.

Davon könnte man sich glatt auch goldene Türgriffe leisten, und es bliebe immer noch etwas übrig. So wird verständlich, warum ein Flug von Berlin-Tegel nach Klagenfurt einen Cent und 19,98 Euro Zuschlag, der Rückflug fünf Euro und 39,04 Euro Zuschlag kostet (Angebot von TUIfly vom 22. Januar für den 23.

Oktober) und warum ein Flug von Köln nach Palma 180 Euro und 22,91 Euro Zuschlag, der Rückflug hingegen 30 Euro plus 30,80 Euro Zuschlag kostet (Angebot von Germanwings am 22. Januar für Flüge am 21. Mai). Da steckt bei einigen Airlines die kalkulatorische Manövriermasse. Die EU will künftig nur noch Gesamtpreise zulassen, die alle Zuschläge enthalten.

Die Zuschläge sind freilich nicht allein preistreibend. Air Berlin verlangt für Kreditkarten-Zahlung sechs Euro extra, TUIfly zwischen sechs und 7,14 Euro. Ryanair lässt sich außer einem Handgepäck von zehn Kilo aufgegebene Koffer extra bezahlen (20 Kilo 63,50 Euro). Bei einigen Airlines gibt es zudem noch gut versteckte Klimaschutz-Spenden. Nur wer die Verstecke findet, kann diese Zuschläge abwählen.