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Köln/Bonn: So viel Publikum hat Kunst selten

Köln/Bonn : So viel Publikum hat Kunst selten

Deutschlands wohl längstes Kunstwerk erstreckt sich jetzt zwischen Köln und Bonn. Im Abstand von ziemlich genau 23 Kilometern hat der Kölner Künstler Lutz Fritsch zwei 50 Meter hohe Riesen-Stelen jeweils in der Mitte der Verteilerkreise der Autobahn 555 im Norden Bonns und im Süden Kölns postiert.

„Als Bildhauer beschäftige ich mich mit dem Raum”, erklärte der 1955 geborene Künstler die Komposition aus den beiden leuchtend roten Pfosten von monumentaler Höhe.

„Alle meine Skulpturen sind reduziert auf das Wesentliche, um Wesentliches sichtbar zu machen”, betonte Fritsch am Freitag bei der Übergabe seines Werkes „Standortmitte” an die Bürgermeister der beiden rheinischen Nachbar-Kommunen.

Zuordnungen von Raum, von Innen und Außen, Bewegung und Ruhe kommen hier ins Spiel, meinte Fritsch. Die glänzend rote Farbe und die alles in der Umgebung überragende Länge der Stelen mit ihren 90 Zentimetern Durchmesser habe er so bestimmt, dass sie an den beiden vom Verkehr umtosten Verteilerkreisen „eine eigene Kraft ausstrahlen”.

Eine weitere künstlerische Komponente der beiden Pole sei „das Wissen um den jeweils anderen Teil, den man nicht sieht”, erklärte Fritsch. Großes Publikum ist der spektakulären „Standortmitte” sicher, denn rund 60.000 Fahrzeuge rollen täglich auf der schon 1932 eröffneten und damit ältesten deutschen „Schnellkraftwagenstraße”.

Bekannt wurde der Bildhauer, Zeichner und Fotograf Fritsch unter anderem mit seinem Antarktis-Projekt „Bibliothek im Eis” (2005) auf der polaren Neumayer-Station. Bei einer weiteren zweiteiligen Arbeit montierte der Kölner 1993 eine gelbe Fünf-Meter-Stange ans Bremer Weserufer; das Pendant reist seitdem am Bug des Forschungsschiffs „Polarstern” um die Welt.

Verankert wurden die mit großem technischen Aufwand speziell hergestellten Riesen-Rohre von je 46 Tonnen Gewicht des Köln-Bonner Kunst-Projekts in massiven Betonfundamenten, die jeweils fast 500 Tonnen wiegen.

Nach beinahe 20 Jahren Planungen und Entwurfsarbeiten steckten die beiden Stahl-Stelen nun „wie Akupunktur-Nadeln in der Blutbahn des Verkehrs-Stroms”, meinte der Künstler.

Knapp eine Million Euro hat die neu entdeckte „Standortmitte” gekostet, die aus Mitteln der Sparkasse Köln/Bonn, der NRW-Landeskasse, der beiden Städten und der Regionale 2010 als Strukturförderung des Landes bezahlt worden ist.