1. Kultur

Alsdorf: Sinnliche Freude an sauer-saftigen Zitronen

Alsdorf : Sinnliche Freude an sauer-saftigen Zitronen

Auf der einen Seite der Wildwuchs mit übermannshoch verkrauteter Schienenstrecke und einem verwunschen eingeschlossenen alten Stellwerk, auf der anderen Seite die zubetonierte Wirklichkeit postindustrieller Landschaften.

Der alte Bahnhof im Alsdorfer Stadtteil Mariagrube (Eschweilerstr. 130) liegt in einem Zwischenreich. Und dieses Milieu ist der Kunst mehr als bekömmlich: Auf Einladung der Architekten und Stadtplaner Gregor Willems und Heinz-Willi Mertens stellt dort die in Kohlscheid-Bank lebende Malerin Christa Murken bis zum 9. Mai aus.

Einem interessierten Publikum ist sie auch als Kunstbuch-Verlegerin und - zusammen mit ihrem Mann Axel Hinrich Murken - als Sammlerin bekannt geworden. Titel der Schau: „Natur und Mythos”.

Dass die Gemälde relativ dicht gehängt worden sind, nimmt ihnen nichts von ihrer Wirkung. Die beruht vor allem darin, dass nicht klar ist, ob diese Kunst wirklich von dieser Welt sind. Klar: Die Früchte auf den Stillleben, sauer-saftige Zitronen und dunkel-pralle Pflaumen kann der Betrachter ohne weiteres identifizieren.

Aber dann ragen auf einem Werk von 2002, „Wüstenfinger” betitelt, spargelige Pflanzenteile in einen surrealistisch anmutenden Nachthimmel. Und dann ist wieder unklar, ob dieses mit Ölfarben auf die Leinwand gebannte Gemälde auf der Erde oder in den weit gespannten Sphären des Traumes wurzelt.

Die Künstlerin selbst sieht die Frucht-Stillleben als Ausfluss ihrer „sinnlichen Freude” an diesem Teil der Natur.

Im gleichen Maße sieht sie das auch für ihre Kompositionen mit Elementen der antiken Bildhauerkunst, die für den Mythos im Ausstellungstitel stehen. „Die Rast” (2002) zeigt eine Statue, die in einiger Entfernung vom Betrachter vor einer Wand steht.

Dass die Figur ihrem ursprünglichen Zusammenhang entrissen worden wurde, ist klar. Aber auch in sich zeugt die Skulptur von völliger Loslösung: Der Gott oder Heros, den sie darstellt, schläft nämlich oder träumt gar. Und wieder schleicht sich durchs Hintertürchen der Surrealismus ein. (Mo.-Fr. 16-19 Uhr)