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Aachen: Sinnenfreude pur: Schnuckenack Reinhardt im Jakobshof

Aachen : Sinnenfreude pur: Schnuckenack Reinhardt im Jakobshof

Auch, wenn es diejenigen, die bis zur letzten Minute erfolglos auf Restkarten warteten, ärgern mag: Sie taten es zu Recht - und sie haben etwas verpasst. Schnuckenack Reinhardt zelebrierte samt seines kongenialen Ensembles im rappelvollen Jakobshof gut zwei Stunden pure Sinnenfreude.

„Zigeunerjazz” nennt sich ihre Spielart, ein diskutabler Begriff, hinter dem sich die einzigartige Musiktradition von Sinti und Roma verbirgt. Schnuckenack Reinhardt war es, der in den Nachkriegsjahren maßgeblich zur Akzeptanz dieses Kulturkreises beitrug.

Dem Großneffen des legendären Jazzers Django Reinhardt war 1939 gemeinsam mit der Familie die Flucht vor den Nationalsozialisten gelungen: während der Deportation nach Auschwitz. Getarnt als ungarndeutsche überlebten sie das mörderische Regime.

Die Geschichte eines Menschen, der wie so viele nicht leben durfte zu Zeiten des Dritten Reiches. Ein Aspekt, der ewig mahnend dazugehört bei der Geschichte eines Mannes, der heute, im Alter von 81 Jahren, längst eine lebende Legende der Jazz-Szene ist. Also, Bühne frei. . .

Das Programm, dem sich das Quintett während der Jubiläums-Tour zum letztjährigen achtzigsten Geburtstags seines Stars widmet, ist ganz dem Swing verschrieben. Evergreens wie Gershwin-Melodien, Jazz-Standards, Valse Musette oder Traditionals der Sinti und Roma gibt es hier in mitreißenden Arrangements.

Sein Publikum applaudiert tosend, fast minütlich. Gleich einem Zirkusdompteur gibt er kurze Anweisungen wie „hopp”. Er bestimmt den Rhythmus, lässt Soli seiner glänzenden Mitmusiker beginnen, um sie lächelnd zu genießen und sich schließlich selbst wieder in den Vordergrund zu spielen.

Ein höchst unterhaltsames Bild, das Schnuckenack Seite an Seite mit Sohn Ricardo ( Rhythmusgitarre), Mirano Kling (Sologitarre), Jani Lehmann (Kontrabass) und Helmut Weiss (Piano) abgibt.

Schnuckenack beherrscht die Show, den Flirt mit dem Publikum ebenso wie sein Instrument.

„Süß”, befinden nicht wenige der anwesenden Damenwelt. „Ein fantastisches Konzert”, urteilen sie ausnahmslos, die anwesenden Damen und Herren. So gibts zum Schluss rauschenden Beifall und den zweimal erhörten Wunsch nach Zugaben.