Aachen: Sinfonieorchester Aachen startet mit Bravour und Brahms in neue Saison

Aachen: Sinfonieorchester Aachen startet mit Bravour und Brahms in neue Saison

Mit drei Zugstücken des romantischen Repertoires starteten Kazem Abdullah und das Aachener Sinfonieorchester im vollbesetzten Eurogress in die neue Konzertsaison.

Mit Franz Schuberts „Großer“ Sinfonie in C-Dur stellte sich Abdullah einer besonders anspruchsvollen Aufgabe, die er und das Orchester auf achtbarem Niveau lösten. Abdullah schlägt straffe Tempi an und pflegt einen brillanten, alles andere als weichen Klang, so wie man es von amerikanischen Orchestern gewohnt ist. Sentimentalen Fallstricken geht er damit aus dem Weg, allerdings gerät die Balance schnell aus den Fugen, wenn er das Blech so unkontrolliert breit walten lässt, dass die Streicher zu Statisten verkümmern. Und wenn er das Scherzo im Schleudergang durchhetzt, gerät auch die Präzision in Gefahr.

Das sind allerdings auch die einzigen wesentlichen Einwände, die man Abdullahs insgesamt hörenswerter Interpretation ankreiden kann. Für die delikaten Holzbläsersoli kann er sich auf vorzügliche Musiker stützen, wie überhaupt das gesamte Orchester einen glänzenden Eindruck hinterlässt. Das unerschöpfliche Füllhorn melodischer Offenbarungen und klanglicher Überraschungen, die das Werk bereithält, kommt durchaus zu seinem Recht.

Ohne Fehl und Tadel

Gediegener und unspektakulärer ging es zuvor mit Robert Schumanns Klavierkonzert zu. Die lettische Pianistin Dina Yoffe absolvierte ihren Part ohne Fehl und Tadel, allerdings auch ohne besonderen Charme und Sinn für die zarten Lyrismen des Werks. Da geriet der Anschlag schnell in routinierte, grobe Bahnen, was diesem Inbegriff romantischer Poesie nicht immer gerecht wird. Da auch das Zusammenspiel mit dem Orchester bisweilen hakte, bleibt der Gesamteindruck eher zwiespältig.

Johannes Brahms‘ „Akademische Festouvertüre“ zum Auftakt des Abends servierte Abdullah als orchestrales Bravourstück. Der ironische Unterton, mit dem Brahms den akademischen Mief seiner Zeit aufs Korn nimmt, wurde leider nicht immer deutlich. Das für Brahms völlig untypisch mit Becken und sonstigem Lärm pathetisch aufgedonnerte Finale mit dem „Gaudeamus igitur“-Hymnus schien Abdullah in seiner Opulenz ernster zu nehmen, als es Brahms intendierte. Gleichwohl: Das Aachener Sinfonieorchester gab mit diesem kleinen Geniestreich bereits einen spieltechnisch exzellenten Einstand.

Ein bejubelter Abend, der trotz aller Qualitäten deutlich machte, dass sich Abdullah auf dem Terrain der deutschen Romantik noch nicht ganz sicher fühlt. Es gibt in diesem Bereich also noch einiges zu erarbeiten.

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