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Aachen: Sinfonieorchester Aachen: Ein Feinschliff in Vollendung

Aachen : Sinfonieorchester Aachen: Ein Feinschliff in Vollendung

Mit einem Feuerwerk an orchestraler Brillanz verabschiedete sich das Aachener Sinfonieorchester in die Konzertpause. Das 8. Sinfoniekonzert im gut besuchten Eurogress bescherte den Hörern mit Werken von Gershwin, James MacMillan und Schostakowitsch orchestrale Opulenz und instrumentalen Feinschliff in Vollendung.

Am Pult stand Neil Varon, der sich im Rheinland als Kapellmeister der Deutschen Oper am Rhein und als Generalmusikdirektor von Gelsenkirchen einen Namen gemacht hat. Ein erfahrener Mann, der bereits mit George Gershwins berühmter Fantasie „An American in Paris“ keinen Hehl daraus machte, dass er dem Stück so viel Farbenpracht und solistische Filigranarbeit entlocken wollte, wie es nur hergibt.

Dass das Aachener Orchester diesen hohen Ansprüchen souverän genügen konnte, spricht für die derzeitige Hochform des Klangkörpers. Es stimmte so gut wie alles: die idiomatische, Blues-gefärbte Tongebung, die Präzision im Zusammenspiel wie auch am Solo-Pult sowie der exzellente Gesamtklang.

Mit seinem orchestralen Osterhymnus „Veni, veni, Emmanuel“ dreht der Schotte James MacMillan, Jahrgang 1959, die Schraube noch weiter an. Wie weit religiöse Erwägungen die Komposition beeinflusst haben, sei dahingestellt. Im Grunde handelt es sich um ein symphonisches Konzert für Schlagzeug und Orchester, das den Musikern einen halbstündigen Parforce-Ritt im Dauergalopp abverlangt.

Für den Solisten, den jungen Schlagzeuger Alexej Gerassimez, ist das sogar wörtlich zu nehmen. Eine Riesenbatterie an Schlagin-strumenten füllt die gesamte Breite der Bühne aus, so dass der in Deutschland ausgebildete Schlagzeuger auch körperlich pausenlos in Bewegung bleibt. Von weihnachtlicher Freude ist bei MacMillan wenig zu hören.

Es ist ein aggressives, hektisches Werk mit hochvirtuosen Anforderungen an den Solisten und die Konzentration der Orchestermusiker. Gerassimez muss sich als Meister aller Schlaginstrumente von der kleinen Trommel über das Marimbaphon bis zum Tamtam beweisen, was ihm mühelos gelingt. Und die effektvolle Präsentation riss das Publikum vor Begeisterung geradezu von den Sitzen.

Etwas verhaltener reagierten die Aachener Musikfreunde auf Schostakowitschs 1. Symphonie. Ein erstaunlich reifes Werk des gerade einmal 18-jährigen Meisters, der sich hier bereits als geborener Symphoniker erweist. Alle wesentlichen Attribute seines reichen Schaffens kündigen sich hier nicht nur an, sondern erscheinen bereits erstaunlich vollendet.

Voller Frische und Delikatesse

Dazu gehören die Stimmungsschwankungen zwischen groteskem Witz und tiefer Depression, das ausgeprägte Gespür für weiträumige Formen und das Ausreizen instrumentaler Ausdrucks-möglichkeiten.

Neil Varon legte es in diesem Werk weniger auf vordergründige Brillanz an als auf die blitzsaubere Ausarbeitung der vielen klanglichen und motivischen Details, die die Aachener Musiker mit einer Frische und Delikatesse servierten, als läge keine anstrengende Saison hinter ihnen.

Ein Konzert, das die Neugier auf die nächste Saison schüren dürfte.