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Aachen: Sinfoniekonzert: Klanglandschaft in voller Blüte

Aachen : Sinfoniekonzert: Klanglandschaft in voller Blüte

Nach italienischem Flair im letzten Konzert gab es beim 5. fünften Sinfoniekonzert im Aachener Eurogress diesmal ungarisch gefärbte Klänge zum genüsslichen Zurücklehnen zu hören.

Vier Werke des ungarischen Nationalkomponisten Zoltán Kodaly, des gebürtigen Ungarn Franz Liszt und des langjährigen Esterházy-Kapellmeisters Joseph Haydn fügten sich zu einem kurzweiligen, durchweg unterhaltsamen Programm, dem der sympathische Gastdirigent Gábor Takács-Nagy zusätzlich eine Menge an positiver Energie zuführte.

Mit „Tänzen aus Galanta“, Kodálys Liebeserklärung an seine an die Tschechoslowakei verlorene Heimatregion, startete das Programm. Takács-Nagy entfaltete sogleich eine vollblütige Klanglandschaft mit melancholischen Bläsersoli und entfesselten Csárdás-Rhythmen, die die Spielfertigkeit des Aachener Orchesters auf eine harte Probe stellten. Die ansteckende Spielfreude des Dirigenten animierte das Orchester zu einer nicht immer lupenrein präzisen, aber musikalisch insgesamt mitreißenden Interpretation.

Solistin des kniffligen Cellokonzerts in C-Dur von Joseph Haydn war dann die 23-jährige Niederländerin Harriet Krijgh, die den ersten Satz zunächst etwas zögernd anging, was ihrem noblen, nicht allzu großen Ton und vor allem ihrer musikalisch feinfühligen Phrasierung zugute kam. Kein Ton wurde vernachlässigt, jede Passage erhielt ein ausgeformtes Profil. Eine Musizierhaltung, die die begabte Musikerin im sehr getragenen Vortrag des Adagios noch vertiefte, bevor sie im Finale ihre virtuosen Qualitäten in rasantem Galopp ausspielte. Allerdings musste man jetzt Einbußen am klanglichen Volumen hinnehmen, die sich vor allem in den hinteren Reihen bemerkbar machen dürften. Insgesamt jedoch ein warmherziger, grundmusikalischer Vortrag ohne oberflächliche Attitüden.

Hielt sich Takács-Nagy mit dem Orchester im Cellokonzert dezent zurück, schlug er in Haydns Symphonie „Mit dem Paukenschlag“ kräftigere Töne an. Die Ecksätze und das Menuett erhielten streckenweise bombastische klangliche Dimensionen, die manches nicht sauber ausgearbeitete Detail durchhören ließen. Umso liebevoller formte er das berühmte Andante und arbeitete das originelle Variationswerk mit spürbarem Vergnügen raffiniert und fein poliert aus.

„Mazeppa“ mag vielleicht nicht zu den besten Symphonischen Dichtungen Franz Liszts gehören, mit Sicherheit aber zu den effektvollsten. Die Hymne auf den gleichnamigen ukrainischen Freiheitskämpfer ließ Takács-Nagy aus vollen Rohren blasen und verhalf dem unterhaltsamen Abend damit zu einem repräsentativen Schlusspunkt.

Wie gewohnt begeisterter Beifall für alle Beteiligten.