Aachen: Sinfoniekonzert: Blick über den westlichen Tellerrand

Aachen: Sinfoniekonzert: Blick über den westlichen Tellerrand

Mit einem interessanten, aber nicht sonderlich populären Programm startete das Aachener Sinfonieorchester in die neue Konzertsaison. Dafür musste man ungewöhnlich viele leere Stühle im Eurogress hinnehmen.

Dabei lohnt es sich allemal, gelegentlich über den westlichen Tellerrand hinauszublicken, um auch Klänge fernöstlicher Komponisten zur Kenntnis nehmen zu können. Mit dem Chinesen Tan Dun und dem Japaner Toru Takemitsu standen immerhin zwei der bedeutendsten Meister ihrer Länder auf dem Programm.

Und auch von Tschaikowsky müssen nicht immer nur die drei letzten Symphonien gespielt werden. Es darf auch einmal, wie in diesem Fall, die 2. Symphonie aus der frühen Serie sein.

Mit dem in Wuhan tätigen Dirigenten James P. Liu stand ein ausgewiesener Kenner asiatischer Musik am Pult des Aachener Orchesters, auch wenn seine Leistung insgesamt eher zwiespältige Eindrücke hinterließ. Gleich der Auftakt mit Alexander Borodins schlichter, aber raffinierter „Steppenskizze aus Mittelasien“ irritierte.

Liu exe-kutierte das Stück mit geradezu preußischer Exaktheit, ohne der Gestaltung der zentralen Themen viel Beachtung zu schenken. Das Stück erklang melodisch starr und unflexibel. Merkmale, die sich auch auf Tschaikowskys 2. Symphonie unangenehm niederschlugen. Metallische Härte fegte jeden Charme des stark von ukrainischen Volksliedern geprägten Werks weg.

Mit dieser strammen Einstellung konnte Liu auch den feinen Klanggespinsten in Toru Takemitsus Tongemälde „How slow the wind“ nicht gerecht werden. Immerhin hat Takemitsu über die Begegnung mit der Musik Debussys zur japanischen Musik zurückgefunden und sich zu einem der besten Klangmagier seines Landes entwickelt. Doch auch hier waren vor allem grobe Töne ohne jeden ätherischen Reiz zu hören.

Robuster geht es in Tan Duns Konzert für Pipa und Streichorchester zu, das an diesem Abend den besten Eindruck hinterließ. Ein stilistisch stark zersplittertes Werk, in dem die Pipa, eine chinesische Kurzhalslaute, virtuos und selbstbewusst gegen etliche Widerstände der Streicher anzupfen muss.

Interessant, wie vielfältig Tan Dun Soloinstrument und Streicher vermischt, um sie im nächsten Takt mit scharfen Kontrasten aufeinanderprallen zu lassen. Die chinesische Solistin Wu Man meisterte die Klippen des dankbaren Konzerts mit der von ihr gewohnten Souveränität. Der starke Beifall war mehr als verdient.

Zu den Sternstunden des Aachener Konzertlebens zählt der Abend zwar nicht. Doch immerhin machte er mit weniger ausgewalzten Pfaden des Repertoires bekannt.