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Aachen: Sind gleiche Bildungschancen für alle doch möglich?

Aachen : Sind gleiche Bildungschancen für alle doch möglich?

Der ostbelgische Schulminister Oliver Paasch hat nordrhein-westfälischen Politikern die Bildungspolitik der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) des Nachbarlands Belgien zur Nachahmung empfohlen.

Die DG investiere mehr als die Hälfte ihres Gesamthaushalts in das Schulsystem, zu dem auch kostenlose Kindergärten mit Ganztagsangebot zählen, berichtete Paasch im Aachener Pius-Gymnasium auf Einladung des Zonta-Clubs, eines Zusammenschlusses berufstätiger Frauen. Gute Bildung koste viel Geld und zahle sich erst langfristig aus. Doch sie sei eine gewinnbringende Investition, die sich in der Zukunft vielfach bezahlt mache.

Die Zugehörigkeit der Kindergärten, die in Belgien Vorschulen heißen, zum Schulwesen ist für Paasch die Voraussetzung für ein Bildungssystem ohne selektive Schnittstellen.

Die Deutschsprachige Gemeinschaft schneide bei Studien über die Chancengleichheit im Bildungssystem besonders gut ab, sagte der Politiker. Jedes Kind habe unabhängig von der sozialen Herkunft, dem Bildungsstand der Eltern oder dem Familieneinkommen die gleichen Bildungschancen. Keiner Region innerhalb der Europäischen Union gelänge es so gut, soziale Ungleichheiten auszugleichen.

Der Besuch der ganztägigen Vor-, Primar- und Sekundarschule inklusive warmer Mahlzeit ist in Ostbelgien für alle Schüler gebührenfrei. So gehen fast alle Kinder vom dritten Lebensjahr an in die Vorschule. Die Erzieher unterrichten dort nach verbindlichen Bildungsstandards. Sie haben das gleiche Studium mit Bachelor-Abschluss absolviert wie die Lehrer der Primarschule, die sechs Jahre dauert. Danach besuchen alle Schüler die Sekundarschule. Erst nach der neunten Klasse teilen sich die Schullaufbahnen auf.

Den NRW-Bildungspolitikern riet der Minister, schulpolitische Entscheidungen nicht auf Grund ideologischer Standpunkte, sondern allein aus wissensorientierten Gründen zu treffen. So entscheide das Parlament der DG in der Regel einstimmig über bildungspolitische Maßnahmen, da die Schulpolitik in der Deutschsprachigen Gemeinschaft über Parteigrenzen hinweg oberste Priorität habe.