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Köln: Sie läuft und läuft: 1500. Folge der „Lindenstraße”

Köln : Sie läuft und läuft: 1500. Folge der „Lindenstraße”

In der ersten Folge traf sich Familie Beimer zur Hausmusik: Hans und Helga mit ihren drei Kindern Marion, Benny und Klausi. Heute, 29 Jahre später, ist von dieser Idylle längst nichts mehr übrig.

Hans und Helga gehen seit langem getrennte Wege, Benny ist tot, Marion weggezogen und Klaus ein geschiedener Sozialhilfeempfänger. Es ist viel passiert in 1500 Folgen „Lindenstraße”. Und es geht weiter: Mindestens bis 2016 ist die Zukunft der ARD-Dauerserie gesichert.

Dabei sollte man meinen, dass sämtliche gesellschaftliche Themen inzwischen abgearbeitet sind: Liebe und Hass, Gesundheit und Krankheit, Geburt und Tod, Verbrechen und Versöhnung - die Liste ist schier unendlich. „Von A wie Aids bis Z wie Zölibat war alles dabei”, sagt „Mutter Beimer” Marie-Luise Marjan. „Aber oft interessiert die Zuschauer weniger das Spektakuläre als vielmehr der normale Alltag.”

Gerade das war vor allem in den Anfängen der Serie das Erfolgsrezept: Den normalen Alltag von Menschen zeigen. „Das gab es damals im deutschen Fernsehen nicht, dass man gewissermaßen bei anderen durchs Schlüsselloch gucken konnte”, sagt Schauspielerin Sybille Waury (Tanja Schildknecht).

Heute dagegen ist es dank unzähliger Reality-Formate nichts besonderes mehr, Privates im Fernsehen öffentlich zu machen. Auch Tabu-Brüche, wie 1990 der erste Schwulen-Kuss in einer deutschen Serie, sind für die „Lindenstraße” damit fast unmöglich geworden. Der daran beteiligte „Robert Engel” (Martin Armknecht) kehrt übrigens nach langer Abwesenheit zur Jubiläumsfolge am 28. September in die „Lindenstraße” zurück.

Die Veränderung der TV-Landschaft mit ihrer heutigen Sendervielfalt spiegelt sich auch in den Zuschauerzahlen wider: Sahen in den 80er Jahren etwa 12 Millionen Menschen zu, schalten jetzt laut WDR im Schnitt noch 2,7 Millionen Zuschauer sonntags um 18.50 Uhr die Serie ein. Hinzu kommen Abrufe über Mediatheken, Internet-Livestream und die App.

Viele der Zuschauer sind Fans der ersten Stunde. „Eine Riesenzielgruppe für uns sind Menschen, die die Serie früher mal geguckt haben und dann irgendwann ausgestiegen sind”, sagt ein „Lindenstraßen”-Sprecher. Diese versuche man über soziale Netzwerke zu erreichen.

Zumindest theoretisch dürfte diese Zielgruppe vorhanden sein. Denn auch erstaunlich viele derzeitige Nicht-Zuschauer wissen zum Beispiel, dass Mutter Beimer sich zum Trost gerne Spiegeleier brät oder dass „dieser Arzt” seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt.

Jener „Dr. Dressler”, gespielt von Ludwig Haas, hat sämtliche „Lindenstraßen”-Bewohner kommen und gehen sehen - allein rund 250 Schauspieler waren seit 1985 mit Hauptrollen dabei. Zwölf Schauspieler aus dem ersten Jahr gehören auch heute noch zum Team, darunter neben Haas, Marjan und Waury auch Joachim Hermann Luger, Georg Uecker und Andrea Spatzek.

„Wenn wir Ollen mal weg sind, dann hoffe ich, dass es gelingt, wieder neue Zentralfiguren zu schaffen”, sagt der 81-jährige Haas. Damit stehe und falle der Erfolg der Serie. „Sonst besteht die Gefahr, dass das Ganze zu beliebig wird.”

(dpa)