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Aachen: Shlomo Korens Stein-Poesie

Aachen : Shlomo Korens Stein-Poesie

Sie wiegen bis zu zweieinhalb Tonnen und scheinen doch zentimeterhoch zu schweben, eine Verbindung zum Boden wird nicht sichtbar: Monumente aus Dolomitstein, plan geschliffen oder naturbelassen, grünlich-grau und monochrom oder rötlich-braun und erdig.

Harte Schnitte und Kanten kontrastieren mit erhabenen Flächen oder krustigen Schrunden - eine abstrakte Balance der Formen und Farben, die beim Betrachter erstaunlich konkrete Assoziationen wachruft, gelenkt durch Titel wie „Haus”, „Zerrüttung”, „Entwurzelung”.

Poetische Sinnbilder in Stein schafft der 1932 in Köln geborene und in Tel Aviv aufgewachsene israelische Künstler Shlomo Koren, einer der bedeutendsten Bildhauer unserer Zeit.

Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zeigt, ergänzend zu „Ex oriente”, zeitgenössische Kunst aus Israel: eine ästhetisch außerordentlich gelungene Ausstellung von 14 schwergewichtigen Stein-, drei Kartonskulpturen und 44 Zeichnungen, entstanden zwischen 1986 und 2003.

Neun Steinskulpturen Korens sind eigens für diese Schau entstanden, die noch unter der Ägide des mittlerweile nach Frankfurt gewechselten Museumsdirektors Ulrich Schneider vorbereitet wurde und auch seiner Initiative entsprang.

Schneider wird am kommenden Freitag um 19 Uhr noch einmal in seinem „alten Haus” zu Gast sein und die Eröffnungsrede halten. Die Ausstellung erfolgreich und umsichtig auf den rechten Weg gebracht hat schließlich Anke Volkmer.

Von erhaben-kühler Schlichtheit präsentiert sich nun der große Saal, in dem die Monumente beeindruckend wirkungsvoll ihre steinerne Poesie entfalten. Wie Bilder von menschlichen Schicksalen und Lebenswegen wirken diese eigentümlich ausdrucksstarken Platten mit ihren Brüchen, Verwerfungen, Schnitten und streng geometrischen Ausformungen.

Sinnbilder von Heimatlosigkeit, Befreiung und Bedrängung keimen auf und scheinen vor dem Hintergrund der Biographie des Künstlers und seiner Herkunft dem kollektiven Gedächtnis eines Volkes abgerungen zu sein.

Auch in seinen Zeichnungen arbeitet Shlomo Koren wie ein Bildhauer: Er trägt Teile der milchigen Schicht aus Ölkreide wieder ab, kratzt und gräbt das Material zum Teil schriftzeichenartig heraus, auch hier wie um eine Botschaft bemüht.

Shlomo Koren hat im übrigen an prominenter Stelle im Herzen Berlins jüngst seine künstlerischen Spuren hinterlassen: mit einer 500 mal 100 Meter großen Bodenskulptur im neuen Henriette-Herz-Park zwischen Tiergarten und Potsdamer Platz, deren Titel gilt als Motto für sein gesamtes Schaffen: „ . . . aus den Scherben Neues zu bauen” - ein Wort Kurt Schwitters, formuliert nach dem Zusammenbruch im Jahr 1918.