1. Kultur

Aachen: Sharon Kam brilliert beim Sinfoniekonzert

Aachen : Sharon Kam brilliert beim Sinfoniekonzert

Viel zu viele Aachener verpassten beim 4. Sinfoniekonzert die Möglichkeit, die weltberühmte Klarinettistin Sharon Kam mit ihrer Interpretation des 1. Klarinettenkonzerts von Carl Maria von Weber erleben zu können.

Gemeinsam mit dem Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung des Chefdirigenten der Berliner Symphoniker Lior Shambadal gestaltete sie einen wunderschönen Abend zu dem Thema „Alles deutsch?”

Das Programm bot dem Zuhörer die Möglichkeit des „Philosophierens mit Musik”. Das „typisch Deutsche” wird oft reduziert auf die Ordnung von Strukturen, Vorschriften und Regeln. Die Werke von Alois Bröder, Carl Maria von Weber und Ludwig van Beethoven offenbaren jedoch auch andere Verständnisweisen des Begriffes „deutsch”.

In der Uraufführung der „Sept Variations” für Orchester zeichnet der Darmstädter Komponist Alois Bröder Tonbilder verschiedenster Stimmungen und Momente. Er stellt Ruhepunkte neben aggressive Rhythmen und lässt Melodienzitate von Schumann, Janácek, Debussy, Schubert und Mahler aus Monotonien herauswachsen.

Komplex miteinander verwoben vermischen sich Alltagsgeräusche mit Tonfolgen, in denen Neues aus dem Alten entsteht und das Neue ohne das Alte nicht denkbar wäre. Auch Carl Maria von Weber brach seinerzeit Strukturen auf und machte die Klarinette als Konzert-Soloinstrument gesellschaftsfähig.

In der Interpretation seines 1. Klarinettenkonzertes in f-Moll op. 73 erzählt die junge, in Israel geborene, sympathische Sharon Kam mit ihrem für die jüdische Traditionsmusik so typischen Instrument eine Geschichte von Wehmut und Sehnsucht im innigen Allegro, von Ruhe und Frieden im dialogartig strukturierten Adagio und von Aufbruch und Zukunftsdenken im schmissig tanzenden Rondo. Die Technik Sharon Kams ist von atemberaubender Perfektion.

Der zweite Teil gehörte den Orchestermusikern, dem israelischen Dirigenten Lior Shambadal und der 4. Symphonie B-Dur von Ludwig van Beethoven. Lior Shambadal gab dem Werk Zeit, sich zu entwickeln. Im 2. Satz besaß das Orchester Mut zu Pianissimi-Modulationen, der spritzige 3. Satz überzeugte mit klaren Rhythmuswechseln und der Freude an Solo-Elementen.

Das Publikum feierte das Sinfonieorchester und Lior Shambadal mit intensivem Applaus.