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Aachen/Inden: Sexueller Missbrauch im Wachkoma

Aachen/Inden : Sexueller Missbrauch im Wachkoma

Man kann es kaum glauben und selbst die erfahrenen Richter der 1. Strafkammer des Aachener Landgerichts fanden keine schlüssigen Beweggründe, warum sich der 22-jährige Mann aus Inden an zwei hilf- und wehrlosen Frauen, die in einem Pflegeheim-Krankenbett im so genannten „Wachkoma” lagen, sexuell vergangen hat.

Nach nur einem Verhandlungstag, der mit Tränen und hilflosen Erklärungen des Angeklagten begann, fällte die Kammer ein Urteil. Für das Drama, das in der Nacht der Maikirmes in einer Pflegeeinrichtung in Inden-Lamersdorf geschah, muss er viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

Er kannte sich aus

Das Unglaubliche, das übrigens in einem Kinofilm („Sprich mit ihr”) thematisiert wird und das inzwischen ein eigener Straftatbestand des Strafgesetzbuches ist, geschah: sexueller Missbrauch von widerstandsunfähigen Menschen. Hier geht es um eine 40-jährige und einer 83-jährige Frau, die nebeneinander in einem Zimmer des Heimes im Wachkoma lagen, beide gesundheitlich schwer geschädigt. Sturzbetrunken vom Maifest sei er in der Nacht des 8. Mai an dem Heim vorbeigekommen, erzählte der eher halbwüchsig wirkende Mann den Richtern. Da er 2002 dort kurz als Hilfskraft gearbeitet hatte, kannte er sich aus. Und weil er zu Hause, erklärte er unter Tränen, immer nur Ärger wegen seines unsteten Lebens und dem seit Jahren unmäßigen Alkohol- und Amphetaminkonsums hatte, wollte er „in den Knast”.

„Nur” bei der Jüngeren sexuell aktiv

Nur deshalb sei er in die Räume des Heims eingestiegen, zuerst über einen Zaun, dann die Treppe hoch zum Wintergarten und übers Dach in den Aufenthaltsraum. Dort durchwühlte er zwei Rucksäcke, leerte eine kleine Handkasse und klaute aus der Jacke der Nachtschwester den Autoschlüssel ihres Volvos, der vor der Türe stand und ihm später als Fluchtauto diente. Dann wollte er sich durch das besagte Zimmer davon schleichen. Da sei es über ihn gekommen, gestand er. Beide Frauen, so die Anklage, habe er dann missbraucht. Er bestand darauf, nur bei der Jüngeren sexuell aktiv gewesen zu sein. Das Gericht: „Hier ist etwas geschehen, was keiner verstehen kann.”