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Stolberg: Selig gehören noch längst nicht zum alten Eisen

Stolberg : Selig gehören noch längst nicht zum alten Eisen

20 ereignisreiche Jahre liegen hinter ihr, zum alten Eisen gehört die Band Selig aber noch lange nicht — das wurde bei ihrem mehr als zweistündigen Konzert im Zinkhütter Hof in Stolberg mehr als deutlich.

Auch wenn Sänger Jan Plewka grinsend anmerkt: „Es ist das erste Mal, dass wir in einem Museum spielen. So alt sind wir schon.“ Mitte 40 sind die fünf Musiker mittlerweile, altertümlich klingen sie deswegen keineswegs vor 700 begeisterten Besuchern dieses Höhepunkts des Kulturfestivals der Städteregion Aachen. Weit mehr wären gerne dabei gewesen, doch die Karten waren im Nu vergriffen.

Die Band hat die die deutsche Alternative-Musik in den 1990ern maßgeblich und stilgebend geprägt und wurde doch lange nicht glücklich dabei — weil da fünf ausgewachsene Alphatiere mit ihren Vorstellungen aufeinandertrafen. Das erste Kapitel der Geschichte endete im Streit und einer Trennung 1999. Als Plewka, Christian Neander, Leo Schmidthals, Stephan Eggert und Malte Neumann 2008 Selig wiederbelebten, waren sie so gereift, dass kaum mehr vorstellbar war, dass in dieser Band einmal mehr als nur Neanders Gitarre krachte.

In Stolberg stehen da fünf formidable Musiker auf der Bühne, die mit sich und der Welt im Reinen sind und jede Sekunde des Konzerts genießen. Gespielt wird alles, was gefällt: die alten Erfolge wie „Wenn ich wollte“, „Sie hat geschrien“ und „Mädchen auf dem Dach“, die Comebacksongs wie „Schau, Schau“ und „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ — das alles in behutsam erneuerten Arrangements. So werden sie auch auf einem Geburtstagsalbum „Die Besten 1994 — 2014“ klingen, das am 10. Oktober erscheint.

Vieles bleibt im Ohr: Neanders Solokünste in „Bruderlos“, das aufs Wesentliche reduzierte „Regenbogenleicht“, das Finale, in dem die 700 von sich aus „Ohne Dich“ anstimmen, natürlich Plewkas Glitzereinteiler, in dem er den dritten (!) Zugabenteil bestreitet. Plewka ist aber auch in diesem Fummel gern gesehener Gast des Kulturfestivals. In den letzten beiden Jahren sang er ohne Selig Songs von Rio Reiser beziehungsweise Simon & Garfunkel. Erstmals ist er mit Selig dabei und hinterlässt sein Publikum ebenso (glücks)-selig. „Es war ein schöner Abend“, sagt er am Ende. Stimmt.