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Aachen: Selbstironisch, sinnlich und melancholisch

Aachen : Selbstironisch, sinnlich und melancholisch

Dass Petra Welteroth auf ihr Fanpublikum zählen kann, ist nicht weiter verwunderlich. Über fünf Spielzeiten hinweg war sie ein Publikumsmagnet am Theater Aachen, derzeit ist sie in Bochum zu sehen.

Jetzt konnte die Powerschauspielerin in der Aachener Klangbrücke wieder einmal ihre gesanglichen Talente unter Beweis stellen, liebevoll und virtuos begleitet von „ihren” Musikern Heribert Leuchter (Saxofon), Manfred Hilgers (Bass), Stefan Michalke (Klavier) und Steffen Thormälen (Schlagzeug).

Sichtlich erfreut über so viel Treue im vollen Haus, präsentierte „La Welteroth” ein sehr persönliches, fast intimes Programm mit eigenen Liedern, elegant und subtil vertont von Heribert Leuchter.

„Extra viel Haar” habe sie heute, erzählt sie listig-kokett. Der Anhauch von „Struwwel-Petra” steht ihr gut, ebensogut wie ihr mädchenhafter Sterntalerblick gen Himmel, voller Unschuld und Erwartung. Und wie das Kind im Märchen gibt sie alles, wirft ihr ganzes Können, die eigene Persönlichkeit in die Waagschale.

Zeitlose Liebesballaden

Selbstironisch, sinnlich, melancholisch und clownesk zieht das rheinische Energiebündel buchstäblich alle Register, leitet verschmitzt über zu so pointierten Chansons wie „Sie haben gewonnen!” oder „Fortsetzung folgt”, freche witzige Lieder, die mancherlei Auswüchse unserer Mediengesellschaft aufs Korn nehmen.

Lyrisch, jazzig und fetzig interpretiert sie ihre zeitlosen Liebesballaden, die immer eine Geschichte erzählen - von zu viel Nähe und zu viel Distanz, von dem „Schmerzgemisch aus Wohl und Weh” und von Ängsten, „dass ich nie genügen kann”.

Leuchters Saxofon gibt diesem „Alles wollen, doch nicht zu sehr” expressive Farben, grell und zart zugleich. Wie ein akustischer film noir entwickelt sich die selbstreflektorische Tristesse mit einem trotzigen „Na und” zu einem berührenden Klangteppich. Filigrane Ton-Capricen wirken wie helle Tupfer im grauen Meer der Melancholie.

Die Verbundenheit der Sängerin mit den exzellenten Musikern ist zu spüren - und zu hören. Welteroths Wortwitz und Wortspielereien sind besonders wirkungsvoll in mundartlichen Texten, wo es zum Beispiel heißt: „Isch kannit ohne disch.” Später wird daraus „Isch kannit ohne üsch (euch)”, eine Liebeserklärung an Musiker und Publikum.

Mit einer rasanten Tangomelodie werden Gleichgültigkeit und Beziehungslosigkeit („Also Tschüss - bis irgendwann”) auf die Spitze getrieben. Wunderschön die Hommage an den Gefährten „Du wirst immer wer Besonderes für mich sein” mit der klugen Einsicht „Was zusammen gehört, muss nicht zusammen passen.”

Zugaben waren natürlich unausweichlich; das begeisterte Publikum gab keine Ruhe. Zauberhaft das Zusammenspiel von Welteroth und Leuchter, der auch am Klavier überzeugte.