Aachen: Selbst Karl-Heinz Rummenigge sitzt auf dem Sofa

Aachen : Selbst Karl-Heinz Rummenigge sitzt auf dem Sofa

„Was nervt Dich am meisten?”, fragt Horst Wackerbarth (60), Düsseldorfer Fotograf und Künstler, die kleine Carla (5) aus Vaals. Das Mädchen lächelt stumm, braucht dann aber nicht lange zu überlegen: „Lange in der Kirche sitzen.”

Da muss selbst so ein welterfahrener Mann, der in gut 30 Jahren vom Bauern in Kasachstan, dem Seemann in Indien bis zum Pariser Straßenkehrer alle Arten von Menschenschlag schon vor der Kamera interviewt hatte, lachen über so viel herzerfrischend kindliche Ehrlichkeit. Und die Mutter ist auch amüsiert über ihr Töchterchen, das sie Wackerbarth in der Aachener Aula Carolina auf die „Rote Couch” gesetzt hat.

„Eine witzige Idee” findet Annemarie Treeck den Aufruf, den unsere Zeitung vor knapp einem Monat an alle Nachkommen und Namensvettern aller Variationen von Karl dem Großen, dem Ur-Aachener aller Aachener, richtete: sich bei Horst Wackerbarth zu melden, um sich von ihm auf seiner Roten Couch porträtieren zu lassen. Die Ergebnisse werden vom 12. bis zum 21. August im Rahmen des grenzensprengenden Aachener Festivals „across the borders” in multimedialer Form in der Aula Carolina in der Pontstraße präsentiert.

Am liebsten die Menschheit

Eigentlich möchte Horst Wackerbarth, den man auf Anhieb als einen Ausbund an Humor und Selbstironie kennenlernt, am liebsten die ganze Weltbevölkerung auf seine Rote Couch setzen, so wie er es drei Jahrzehnte lang rund um den Globus angefangen hat, um eine „Gallery of Mankind” zu dokumentieren. Aber als Rick Takvo-rian, der Veranstaltungsmanager der Stadt Aachen, ihn aufforderte, einen Beitrag für „across the bor-ders” zu leisten, da war für ihn gleich klar: „Aachen und Karl, das sind doch zwei geschichtlich-namentliche Seiten einer Medaille.” Nun mag es zwar sein, dass ein Außenstehender diese Verbindung womöglich enger sieht als der Aachener selbst - gleichwohl: Mehr als 40 „Carlies” sind dem Aufruf bislang gefolgt.

Menschen jeden Alters, Geschlechts und Berufs haben sich auf der Roten Couch in der Aula Carolina eingefunden; und sie heißen Carlos, Karl, Charles, Charlene, Carola, Carla, Karla und und und. Da sitzt die Tänzerin ebenso auf der Roten Couch wie der Bauingenieur, der Glasermeister und der Rentner, das sechsjährige Kind und der Künstler. Ein Feuerwehrmann Karl hat gleich seine ganze Truppe mitgebracht. Und allen stellt Horst Wackerbarth die gleichen Fragen: Was verbindest Du mit Europa? Wie ist Dein Verhältnis zu Aachen? Was ist lebenswert? Was nicht? Und jeder sucht sich ein Porträt der bislang 60 Karlspreisträger aus, mit dem er fotografiert werden möchte.

Ein weißer Lieferwagen fährt in der Pontstraße vor, drei kernige Männer steigen aus. Geschultert: Schweineschinken. Komplette Beine. Karl Zeiss, ein Aachener Fleischermeister, trifft mit zwei seiner Mitarbeiter ein. „Mein Opa hieß schon Karl”, erklärt er auf der Roten Couch, die typischen Insignien seines Handwerks auf dem Schoß. Warum er George Marshall für sich ausgesucht hat, der 1959 den Karlspreis erhielt? „Wegen des Marshall-Plans”, sagt er. „Damit hat der Mann uns sehr geholfen. Er war mit ein Retter von Aachen.” Was macht das Leben lebenswert? „Wenn man zufrieden ist mit dem, was man hat.” Was nicht? „Zu viele Gesetze. Bürokratie.” Da spricht des Handwerkers Herz...

All das nehmen per Video Studenten der Düsseldorfer Fachhochschule auf, an der Wackerbarth einen Lehrauftrag hat. Ein kompletter Foto-Kurs der FH bereitet die Multimedia-Vision des Projekts für „Across the borders” vor.

Das Aachener Kaiser-Karls-Gymnasium ist mit einer eigenen Aktion beteiligt. Ein Kurs beklebt die Rote Couch komplett mit Printen. Wackerbarth: „60 Schüler fressen die dann auf.”

Karl-Heinz Rummenigge hat übrigens auch auf der Couch gesessen - allerdings als Hund. Ein Aachener Straßenbewohner, der sein Geld mit Diabolo-Kunststückchen verdient, hatte ihn mitgebracht. Frage: „Warum gabst Du Deinem Hund diesen Namen?” Antwort: „Der spielt so gerne mit Bällen...”

Namensverwandte von Karl dem Großen, die auf der Roten Couch von Horst Wackerbarth fotografiert werden möchten, können sich weiterhin melden (Tel.: 0172/2546025) oder sich im Internet registrieren lassen: http://carlies-redcouch.eu.

Tanzperformance am Karlsbrunnen

„carlies-redcouch.eu - A Gallery of Mankind”, Kunstaktion von Horst Wackerbarth im Rahmen des Festivals „across the borders” in Aachen, Aula Carolina, Pontstraße.

Eröffnung: Freitag, 12. August, 20 Uhr, zuerst auf dem Markt, dann in der Aula Carolina.

Die Rote Couch wird zur Eröffnung am Karlsbrunnen auf dem Markt zur Bühne für eine Tanzperformance/Improvisation der Duisburger Tänzer und Choreographen Avi Kaiser und Sergio Antonino.

Dauer: 12. bis 21. August.

Öffnungszeiten: Samstag, 13. August, 11-18 Uhr; Sonntag, 14. August, 11-18 Uhr; Montag, 15. August, bis Freitag, 19. August, 12-17 Uhr; Samstag, 20. August, 11-18 Uhr; Sonntag, 21. August, 11-14 Uhr, Abschlusstag.


Eintritt: frei

Performance am Sonntag, 14. August, 14-18 Uhr, Kukuk (Kunst und Kultur am ehemaligen Grenzübergang Köpfchen), Eupener Straße.

Weitere Infos unter: ? 0241/ 43249-40 beziehungsweise -41, -42, - 43, -44.

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