Schleiden: Selbst die Bühne der Rockoper „Unlimited“ sprengt alle Grenzen

Schleiden : Selbst die Bühne der Rockoper „Unlimited“ sprengt alle Grenzen

Clemens Amendt schreibt seine Theaterstücke nicht nur nebenbei. Wenn es sein muss, nimmt er sich ein ganzes Jahr eine Auszeit — damit am Ende auch alles passt. Sechseinhalb Jahre war Amendt mit der aktuellen Rockoper „Unlimited“ des Exart-Musiktheaters beschäftigt.

Bei der ersten Probe in Vogelsang passt trotzdem noch nicht alles. Seit August übt die Theatergruppe zwar schon, nun aber das erste Mal im Kulturkino Vogelsang. Das Problem: Die Bühne ist zu klein, und zwar gleich um einige Meter. Zwei Tage lang hat das Team um Amendt daher genau die Statik berechnet, Materialien besorgt, und die Bühne schließlich mit Spanplatten, Teichfolie und Stahlelementen einfach ein bisschen größer gebaut.

Als dann das erste Mal alle der rund 50 Akteure auf der nun passenden Bühne stehen, wird es erst einmal unübersichtlich. Wer muss aufs erste Podest, wer steht ganz außen, wer öffnet Arm und Bein nach rechts, wer nach links? Die Choreographin jedenfalls hat gut zu tun. Rund zehn Proben stehen noch bis zur Premiere im Kulturkino am 2. März an.

Mittendrin ist Amendt, der eigentlich Lehrer für Geschichte, Politik, Wirtschaft und Sport am Franziskus-Gymnasium in Vos- senack ist. Der aber auch alle Texte geschrieben und die rund 250 Kostüme entworfen hat und nun auch noch Regie führt. „Alles aus einem Guss“, sagt er. Bei der Probe scheint er überall gleichzeitig zu sein, vor der Bühne, auf der Bühne, hinter der Bühne.

Am Franziskus-Gymnasium, an dem Amendt unterrichtet, hat die Theatergruppe Exart ihre Wurzeln. Vor rund einem Vierteljahrhundert hatte Amendt sie mit Schülern gegründet. Viele Darsteller von damals sind noch heute dabei, dazu kommen aktuelle Schüler, und — das ist bei dieser Produktion eine Premiere — drei Hauptdarsteller mit professionellem Hintergrund. Lionel von Lawrence ist ein Bariton, der im Studium in Tanz, Schauspiel und Gesang ausgebildet worden ist. Karo Fruhner ist studierte Jazz-, Rock- und Popsängerin.

Die Dritte ist Kerstin Breuer. Sie studiert Gesang in Maastricht und wusste schon früh, dass sie Sängerin werden möchte. Am Tag der Probe hat sie nur vier Stunden geschlafen, schuld daran ist — natürlich — ihre Leidenschaft: Mit ihrer Coverband stand sie am Vorabend noch lange auf der Bühne. „Ich bin gar nicht so müde, wie ich dachte“, sagt sie, lacht, und wirkt dabei auch gar nicht müde. Im nächsten Moment steht sie auf der Bühne, als weibliche Hauptfigur Zoe, singt, tanzt, windet sich um die anderen Darsteller.

Zoe, das ist in der Rockoper die Jahrgangsbeste an der Eliteschule Illuis. Ihr Gegenspieler Alexis (Lionel von Lawrence) ist bei der konkurrierenden Eliteschule Macs und wird darauf getrimmt, die Macht im digitalen und durchoptimierten Zeitalter an sich zu reißen. Beide Gruppen sind verfeindet — und doch: Die beiden verlieben sich ineinander. Das birgt reichlich Gefahr, denn Verräter werden gnadenlos von den Macs und den Illuis verfolgt.

Ein zunächst düsteres, fundamentalistisches Zukunftsszenario mit ungewissem Ausgang und einem ganz besonderen Ansatz: Ein „Stück ohne Limit“ sollte es werden, sagt Amendt. Passend dazu trägt die Produktion den Namen „Unlimited“, „grenzenlos“. „Ich wollte nicht mit der Schere im Kopf anfangen“, sagt er. „Ich wollte mich nicht vorher fragen, was geht, und ob die Schauspieler das können oder die Leute es mögen.“

Unterhaltung und Tiefsinn

Es sind nur Bruchstücke der Rockoper, die in der Probe zu sehen sind. Zoe und Alexis, die sich eigentlich gar nicht mögen dürfen und trotzdem ein Duett singen, umringt von ihren jeweiligen Gruppen. Die Macs, die sich auf der Bühne formieren und im eigenen Song absolut mitreißend verkünden: „Wir sind genial!“. Oder die Illuis, die sich, ausgestattet mit grünen Handschuhen, ihrerseits vorstellen.

Auf der einen Seite, sagt Amendt, stehe die Unterhaltung: Videoinstallationen im Hintergrund, Blut und Liebe. Auf der anderen Seite seien die vielen Details, manchmal nur kleine Nuancen, die eine große Rolle spielen. Die Lichtstimmung, der Takt der Musik, eine kleine Geste. Zu viel, als dass jeder Zuschauer alles sofort bewusst erkennen könnte. Unbewusst aber schon, sagt er. Es sei ihm wichtig, dass die Zuschauer sich selbst Gedanken machen. „Ich will niemanden belehren, und ich möchte die Leute nicht an der Hand führen.“

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