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Köln: Sehr laut, sehr gefühlvoll und so intensiv wie eine Kreissäge

Köln : Sehr laut, sehr gefühlvoll und so intensiv wie eine Kreissäge

Die Kölnarena war komplett ausverkauft, nur im Internet konnte man noch Karten ersteigern, je nach Platz für bis zu 250 Euro pro Person: Die Fans nahmen einiges in Kauf, um Linkin Park bei ihrem einzigen Konzert in NRW zu erleben. Hat es sich gelohnt?

Für die, die im Innenraum oder auf den unteren Rängen Platz fanden, in jedem Fall. Die US-Band - benannt nach der verkürzten Version des Lincoln Park im kalifornischen Santa Monica - liefern eine erstklassige, brachiale Show.

Die Musik, die Frontmann Chester Bennington (Gesang) und seine Mitstreiter Mike Shinoda (Rap, Keyboards, Gitarre, Gesang), Brad Delson (Gitarre), David „Phoenix” Farrell (Bass), Rob Bourdon (Schlagzeug) und Joseph „Joe” Hahn (DJ) gemeinsam auf die Beine stellen, ist eine rasante und nie langweilige Mischung aus hartem Rock, gesampelten Klängen, Rap und harmonischem Pop. Das bietet für jede und jeden - vom gestiefelten Teenie bis zum Endvierziger in Rockerkluft - etwas, und macht die Band auch für die Massen tauglich.

Markantes Markenzeichen von Linkin Park ist die Stimme von Chester Bennington. Der 31-Jährige verfügt über ein schier urgewaltiges Volumen. Sein Durchhaltevermögen nötigt auch jenen Respekt ab, die es nicht mögen, wenn jemand so singt (oder besser gesagt: schreit), als zerschlitzten ihm gerade Rasierklingen die Hand, die das Mikro im Würgegriff hält.

Dieser Marathon für die Stimmbänder hat die Intensität einer Kreissäge und lässt das Publikum beim Intro von „Somewhere I belong” vor Begeisterung nur so rasen. Überhaupt ist die Arena in ständiger Bewegung. Sie wirkt wie ein gewaltiger Kessel, der unter Hochdruck steht.

Gleich vom ersten Stück an reißt es die Leute von den Sitzplätzen, der Boden unter ihnen vibriert. Dass Linkin Park nicht nur sehr laut sein können, sondern auch sehr gefühlvoll, zeigt die Ballade „My December”, ein zum Heulen schönes Stück, das von einem elegischen Piano veredelt wird.

Weitere Glanzpunkte an diesem Abend: „Breaking the habit”, die aktuelle Single „Shadow of the day” (von der im Mai 2007 veröffentlichten CD „Minutes to midnight”), das peitschende „Hands held high” nebst Bad in der Menge von Bennington und, als dritte Zugabe, „Bleed it out”.

Hier kann nicht nur Mike Shinoda seine Qualitäten als Rapper überzeugend unter Beweis stellen, sondern auch Rob Bourdan hat Gelegenheit für ein superbes Drum-Solo.

Knapp anderthalb Stunden dauert dieses Konzert. Und, mit Abstrichen für den Sound, der klarer und akzentuierter hätte sein dürfen, ist es großartig.

Hat es sich also gelohnt? Für die meisten schon. Aber die, die ganz oben unterm Dach saßen, könnten das verneinen. Aus dieser Entfernung wirkt das, was auf der Bühne passiert, so winzig wie im Spielzeugland. Großbildleinwände hätten hier geholfen.