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Aachen: Sechs Jahre Haft für Drach-Kumpel Kramer

Aachen : Sechs Jahre Haft für Drach-Kumpel Kramer

Es sah aus, als ob die Millionen-Last urplötzlich von ihm abfiel: Der sonst besonnene Bernd Kramer, 59, Freund des Reemtsma-Entführers Thomas Drach, reckte nach dem Urteil den Daumen in die Höhe.

Kramer wurde am Freitag von einer Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wegen banden- und gewerbsmäßiger Geldwäsche in drei Fällen zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Die Aachener Staatsanwältin Jutta Breuer hatte sechseinhalb Jahre gefordert. Das Gericht (Vorsitz Richter Wolfgang Bender) rechnete seine 14-monatige Untersuchungshaft in Brasilien wegen der außerordentlich brutalen Haftbedingungen im Verhältnis von 1:2 an, so dass inklusive der Untersuchungshaft in Deutschland für den Aachener noch eine Reststrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verbleibt.

Kramer sei zwar nicht an der „gewissenlosen und niederträchtigen” Entführung und anschließender 33 Tage dauernden Einkerkerung des Hamburger Multimillionärs beteiligt gewesen, hieß es. „Rechtssystematisch” (Bender) aber hänge die Tat mit jener der Geldwäsche eng zusammen. Kramer habe den Kopf der Entführerbande, den in Hamburg einsitzenden Kölner Thomas Drach, während seiner Haft in der JVA Rheinbach kennengelernt.

Schon bald nach seiner Entlassung aus Rheinbach Mitte 1996 habe sich der flüchtige Drach bei seinem Freund gemeldet. Unter konspirativen Umständen ließ Drach ihm im niederländischen Vaals und im nahen belgischen Kelmis eine erste größere Rate aus dem Reemtsma-Lösegeld von umgerechnet etwa 15 Millionen Euro zukommen.

Es handelte sich dabei um von bulgarischen Mittätern verwahrten drei Millionen Mark aus dem Lösegeld und bereits gewaschenen 1,75 Millionen US-Dollar. Letztere versteckte es zunächst in seiner Wohnung hinter einer Fußleiste, verbuddelte die Dollars später unter dem Gartenteich seines Bruders Jochen Kramer - er steht dafür momentan in Belgien vor Gericht. Von diesem Geld - darauf beruht der erste Fall - brachte ein Kurier 250.000 US-Dollar nach Brasilien zu Kramer, der sich inzwischen dahin abgesetzt hatte.

Der Drach-Intimus finanzierte davon Anwälte für seinen Freund, der 1998 in Buenos Aires verhaftet wurde. Das Geld ging natürlich gleichermaßen für den eigenen, aufwändigen Lebensstil an der Copacabana drauf. Zwei weitere Taten drehen sich um sechs Millionen Schweizer Franken.

Jene sechs Millionen absolvierten im April und Mai 2000 mittels eines Kuriers, einem in Aachen tätigen Physiotherapeuten, eine völlig nutzlose Geldwäsche-Odyssee zum Madrider Flughafen und wieder zurück ins belgische Kelmis. Ein vierter Fall von Geldwäsche konnte nicht zweifelsfrei ermittelt werden, andere Millionen-Beträge fielen juristisch nicht und die Auslieferungstatbestände und wurden erst gar nicht angeklagt.

Bender bezeichnete den Angeklagten als „strategischen und konzeptionellen Kopf der Geldwäscherbande”. Die weitere Verurteilung eines Täters im Umfeld der Reemtsma-Entführung wertete der Richter als einen beeindruckenden Beleg für „die Wehrhaftigkeit des Rechtsstaates”.

Alle Beteiligten seien bis heute zu insgesamt 55 Jahre Haft verurteilt worden. Er sei im übrigen sicher, dass noch Geld da sei, Kramer und auch Drach „würden aber keine Freude daran haben.”

Staatsanwältin Jutta Breuer bekräftigte, dass die Suche nach den Reemtsma-Millionen ungemindert weiter gehe. Die in Belgien unter dem Gartenteich sichergestellten 600.000 US-Dollar seien nass geworden und röchen faulig, Fazit der Anklägerin: „Es gibt Geld, das stinkt also doch!”