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Stolberg-Zweifall: Schwestern in Zweifall fürchten Komplott

Stolberg-Zweifall : Schwestern in Zweifall fürchten Komplott

Die Worte von Schwester Maria Regina sind kaum hörbar und kommen doch einem Hilfeschrei gleich: „Wir werden um unsere Existenz kämpfen. Und das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.”

Fast 50 Jahre lebten die Karmelitinnen in Zweifall in Frieden und Abgeschiedenheit, doch jetzt ist es mit der inneren und äußeren Ruhe im Kloster Maria Königin vorbei. Weil Bischof Heinrich Mussinghoff die Schließung ihres Hauses angekündigt hat, haben sich die verbliebenen drei Ordensschwestern zu einer ungewöhnlichen Offensive entschlossen.

„Wir werden uns dieser Anordnung widersetzen”, kündigen sie an, für den Fortbestand des Klosters zu kämpfen. Gleichzeitig erhebt das Trio schwere Vorwürfe gegen den Bischof, von dem sie sich hintergangen und entmündigt fühlen.

„Das Bistum hat hinter unserem Rücken Gespräche mit dem Generalat in Rom geführt, um die Auflösung des Klosters zu erreichen”, sieht Schwester Maria Regina ihre Kommunität als Opfer eines von Aachen aus initiierten Komplotts. „Das Bistum spekuliert darauf, dass unser Kloster nach der Schließung in seinen Besitz übergeht und es Immobilie und Grundstück verkaufen kann.”

„Beleidigung”

Derartige Vorwürfe weist Herbert Hammans entschieden zurück. „Diese Äußerungen betrachte ich als Beleidigung”, betont der Aachener Dompropst, der von Mussinghoff mit der Betreuung der Karmeliterkloster beauftragt worden ist. „Es ist die freie Entscheidung des Karmel zur Heiligen Familie in Düren, das auch die Schwestern aufnehmen wird, was mit dem Kloster geschieht.”

Von einer freien Entscheidung wollen die Zweifaller Ordensschwestern nichts wissen. Sie halten dem Bischof vielmehr vor, Neuaufnahmen in Maria Königin verboten und damit bewusst die personelle Dezimierung vorangetrieben zu haben. Ziel sei es in letzter Instanz, eine Übertragung des Klosters in den Besitz des Bistums zu erwirken.

Herbert Hammans räumte am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung ein, dass der Antrag auf Auflösung der Zweifaller Gemeinschaft bei Ordensleitung in Rom in der Tat von Heinrich Mussinghoff gestellt worden ist. Materielle Gesichtspunkte hätten dabei aber keine Rolle gespielt. „Der Bischof trägt die Verantwortung für das Kloster, und aus seiner Sicht ist es mit drei Schwestern nicht mehr lebensfähig.”

Das freilich sehen die Betroffenen völlig anders und pochen auf ihre Unabhängigkeit. Zwar sind sie spirituell dem Aachener Bischof unterstellt, juristisch aber ist das Kloster Maria Königin eigenständig und im Besitz des Ordens. „Wir haben noch nie einen Euro vom Bistum erhalten”, verweist Schwester Maria Regina auf die hauseigene Hostienbäckerei, mit der sich die Einrichtung finanziert.

Siebenseitiger Brief an den Papst

Die Bäckerei wollen die Schwestern ebenso wie ihr Kloster gegen den Eingriff des Bischofs verteidigen. „Wir werden nicht zulassen, dass gegen unseren Willen über unser Schicksal und unser Eigentum entschieden wird”, versichert Schwester Maria Regina. In den nächsten Tagen soll ein Gespräch mit dem römischen Abgeordneten des Karmeliterordens stattfinden. Und auch den Papst haben die Zweifaller Karmelitinnen inzwischen eingeschaltet - mit einem siebenseitigen Brief, in dem sie ihn um Hilfe bitten.