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Venedig: Schwere Kost am Lido: Nazi-Thematik in Vendig

Venedig : Schwere Kost am Lido: Nazi-Thematik in Vendig

„Führer Ex” ist der erste Spielfilm von Winfried Bonengel und sogar im Wettbewerb um den Goldenen Löwen beim Filmfestival von Venedig, wo am Wochenende neben Sternchen und wirklichen Stars wie Catherine Deneuve, die hier in einem neuen Streifen („Nearest to Heaven) zu sehen ist, wieder eine Menge geschah.

Ein besonderes Erlebnis für den engagierten Winfried Bonengel, der bisher vor allem Fernsehdokumentationen zum Thema Neonazis („Beruf Neonazi”) gedreht hat.

„Führer Ex” erzählt die Geschichte zweier DDR-Kids, die in die Neonazi-Szene geraten - einer kommt dabei um, ein anderer wird zum Totschläger. Schweres Geschütz für das Festival am Lido.

„Ich musste diesen Film drehen”, sagt Bonengel. „Ich habe Jahre lang gekämpfte, damit er gemacht wird. Ich hatte schon daran gezweifelt, dass man solche Art Filme in Deutschland drehen kann.”

Ziel des Regisseurs: Zu zeigen, „wie jemand zum Neonazi wird”. Nicht gerade ein leichtes Unterfangen.

Der Film beginnt mit TV-Honecker-Szenen aus den 80er Jahren, die Kamera kreist wild um den Berliner Fernsehturm, dazu wird die verpoppte Version der DDR-Hymne gegrölt.

Tommy (Aaron Hildebrand) und Heiko (Christian Blümel) langweilen sich, träumen von der „Republikflucht”, und nachdem Tommy für kurze Zeit im Knast landet, trägt er ein SS-Zeichen auf der Haut. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch landen beide im Gefängnis.

Bei der ersten Pressevorführung am Lido gab es dünnen Applaus und verhaltene Pfiffe. Diesmal ist in Venedig sogar ein zweiter Streifen im Rennen: Die Beziehungsstory „Nackt” von Doris Dörrie, die gespannt erwartet wird.

Dagegen sind sich erste Kritiker am Lido schon einig, wem eigentlich der Goldene Löwe gebührt - und wer ihn dennoch nicht bekommen wird. „Road to Perdition” von Sam Mendes. Der Streifen gilt als perfekter Gangsterfilm im Amerika der 30er Jahre.