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Grevenbroich: Schwarzes Gold oder Rohstoff für Dreckschleudern?

Grevenbroich : Schwarzes Gold oder Rohstoff für Dreckschleudern?

Ein Jubiläum, das zwangsläufig gemischte Gefühle auslöst, begeht die RWE Power - für viele immer noch „die Rheinbraun” - in diesem Jahr. Seit hundert Jahren wird im Nordrevier Braunkohle abgebaggert.

Aus diesem Anlass lädt der Energiekonzern für diesen Sonntag zum „Tag der offenen Tür” in den Tagebau Garzweiler bei Grevenbroich. Von 10 bis 18 Uhr „besteht die Möglichkeit, alle Bereiche heimischer Braunkohlenförderung kennenzulernen”, und dabei auch mit einem Bus durch den Tagebau und auch rekultiviertes Gelände kutschiert zu werden.

Zwar ist die Braunkohlengewinnung im rheinischen Revier wesentlich älter, doch im Nordrevier ging es mit dem Aufschluss der Grube Rheingold im Jahr 1907 los. Rheingold ist ein Vorläufer von Garzweiler, zum Revier gehört außerdem noch Hambach.

Insgesamt sichere, so teilt RWE zum Anlass eigens noch einmal mit, das rheinische Revier 50 Prozent der nordrhein-westfälischen und 14 Prozent der deutschen Stromversorgung. „Auf diesen Bodenschatz setzen wir für eine langfristig sichere Energieversorgung. Denn die Braunkohle hat Zukunft, ist energiepolitisch unverzichtbar und von hohem volkswirtschaftlichen Nutzen.” Und dazu sorge „moderne Technik in Tagebau und Kraftwerk zu geringeren Kohlendioxid-Emissionen”, so RWE-Vorstand Matthias Hartung.

Es ist allerdings keine drei Monate her, dass sich die rheinischen Braunkohlenkraftwerke „noch immer zu den klimaschädlichsten Stromlieferanten in der EU” zählen lassen mussten. Nach einer im Mai veröffentlichten Studie der Umweltstiftung WWF liegt das Kraftwerk Niederaußem unter 30 bewerteten Kraftwerken auf dem dritten Platz der EU-Negativliste, Frimmersdorf, Neurath und Weisweiler folgen auf den Plätzen fünf, sechs und sieben.

NRW-Europaminister Michael Breuer (CDU) hatte daraufhin eine „konsequente Kraftwerkserneuerung” gefordert und vor dem Hauptausschuss des Landtags eingeräumt, dass RWE bei der zugesagten Abschaltung alter Kohlekraftwerke „dem Zeitplan hinterherhinkt”. RWE räumte sogar ein: „Wir sind uns bewusst, dass die Braunkohle im Hinblick auf die Klimathematik problematisch ist.” Man werde aber Milliarden in die Modernisierung investieren.

Widerstand

Gar nicht verwundern wird, dass einer der organisierten Hauptgegner des Tagebaus und seiner Folgen „keinen Grund zum Feiern” sieht. „100 Jahre Braunkohlengewinnung sind genug.

Die Umsiedlung Zigtausender, der Raubbau an der Natur und die Schädigung unseres Klimas müssen endlich ein Ende haben”, sagt in Person seines Landesvorsitzenden Paul Kröfges der BUND zum runden Geburtstag. Angesichts des „Super GAUs für Natur, Landschaft, Umwelt und Mensch” kündigt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland auch weiterhin Widerstand gegen die Braunkohlengewinnung an.