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Köln: Schwache Heimpremiere der Centurions

Köln : Schwache Heimpremiere der Centurions

Im strömenden Regen rollt ein stummer Hüne auf seinem Streitwagen in die Arena. Martialisch schaut er aus, gepanzert bis an die Füße trägt er einen goldenen Helm mit roten Federn, und seine Rechte hält einen Speer. „Vae victis”, scheint er rufen zu wollen, „wehe den Besiegten!”

Die Arena allerdings, in der ein Schreihals des Hünen lautstarke Begrüßung vom Publikum fordert, ist gähnend leer und still. Der Hüne, ein Centurion, wird bestenfalls müde belächelt; denn sein Speer ist stumpf und nur aus Plastik, sein Streitwagen wird von einem selbstfahrenden Rasenmäher gezogen und im Übrigen ist er lediglich das Maskottchen der Cologne Centurions. Die Atmosphäre ist seltsam trostlos an diesem Abend in Köln.

Nur 9134 Zuschauer

Der Heimpremiere des neu gegründeten NFL-Europe-Franchises wollten vergangenen Samstag gerade einmal 9134 - anstatt 15.000 bis 20.000, wie General Manager Jacques Orthen vorher „vorsichtig geschätzt” hatte - im 50.997 Zuschauer fassenden Rhein-Energie-Stadion beiwohnen.

Der daheim gebliebene Rest hatte nicht sonderlich viel verpasst, Frankfurt Galaxy gewann am Ende verdient aber unspektakulär mit 20:10, und die Güte der Begegnung fand in jenem genierlichen Stadion-Szenario seine Entsprechung: Weitgehend niveauarmer, eindimensionaler Football bei fortwährendem Regen.

7:3 führten die defensivstarken Gäste bis ins letzte Viertel, als Frankfurts Jermaine Lewis einen Punt von Steve Cheek kurz vor der Kölner Endzone blockte und in derselben recoverte: Touchdown, die Vorentscheidung und bereits der 23. Punkt, den die Special Teams der Centurions im zweiten Spiel der Saison verschuldeten. Peinlich.

Nur 12 Pässe kamen an

Besorgnis erregender war nur die Vorstellung von Centurions-Quarterback Ryan van Dyke, der lediglich 12 von 27 Pässen für 99 Yards komplettierte und drei Interceptions warf, die Frankfurt in weitere sieben Punkte ummünzte.

Obwohl das Prunkstück der Centurions, die Offensive-Line, van Dyke alle Zeit zum Passen ließ und nebenbei immer wieder Lücken für das Laufspiel riss, kaprizierte sich der Spielmacher auf simple Screen-Pässe, die kaum Raumgewinn erbrachten - einfallsloser Verlegenheitsfootball aus der Singleback-Formation. Der zweite Quarterback, Rob Adamson, sorgte kurz vor dem Ende mit einem 12-Yard-Pass zu Split-End Carl Morris wenigstens noch für einen Kölner Touchdown, der das Publikum kurzzeitig aus seiner Lethargie zu reißen vermochte.

Der ungemein ungehaltene Centurions-Head-Coach Peter Vaas, einst für die Quarterbacks der legendären Notre Dame Fighting Irish verantwortlich, ist indes auch nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel „nicht überzeugt, dass wir nicht das beste Team der Liga sind”.

Viel mehr war dem einsilbigen US-Amerikaner kaum zu entlocken, und Kritik wollte er schon gar keine hören. Woher die Probleme in den Special Teams? „No comment!” Mit „hoher Intensität und viel Herz” habe seine Mannschaft gespielt. Basta, „auf Wiedersehen”. Vaas verließ eilenden Fußes die Stätte der Schmach.