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Aachen: Schrittmacher-Festival: Schattenspiel von Liebe und Tod

Aachen : Schrittmacher-Festival: Schattenspiel von Liebe und Tod

„Attention, je vais mourir”, sagt Anne Delahaye. „Aufgepasst, liebes Publikum, ich werde jetzt sterben.” Diesen Worte aus dem Mund der Tänzerin der Compagnie Philippe Saire fehlt jede Tragik.

Ganz im Gegenteil, es klingt komisch, als sie nur wenige Sekunden später sagt: „Je suis morte” - „nun bin ich tot”.

Der Schweizer Choreograph Philippe Saire hat mit seiner Inszenierung, die am Samstag den Auftakt bildete für das 13. „Schrittmacher-Festival” im Aachener Ludwig Forum, der Erkenntnis, dass unser Leben kurz ist, die depressive Schwere nehmen wollen: „Mein neues Tanzstück soll eine sehr persönliche und leichtfüßige Antwort geben auf die Frage, wie man sich vom Gewicht der Düsterkeit und der konstanten Missmutigkeit befreien und dem Bedürfnis nach Gelöstheit und Euphorie eine gewisse Legitimation verschaffen kann”, sagte er einmal.

Das ist ihm vollständig gelungen. Die fast 300 Zuschauer in der Mulde erlebten einen kurzweiligen Abend zeitgenössischen Tanztheaters mit komödiantischen Zügen.

Spielerisch bedient sich Saire, das Aushängeschild der Schweizer Tanzszene, in seiner Inszenierung zahlreicher Symbole und Motive auch aus der Geschichte des Tanzes: Die Andeutungen an die Hollywoodrevues der dreißiger Jahre und an den Cancan, den Pariser Gesellschaftstanz aus dem 19. Jahrhundert, haben der Ästhetik des körperlichen Ausdrucks zusätzliche Impulse verliehen.

Die Frau als Fußfessel, als High Heels tragende Furie, die den Mann abwechselnd mit ihren stampfenden Stöckelschuhen bedroht und nach Erotik verlangt, ist wohl auch als Annäherung an das Zentralmotiv der französischen Schriftstellerin Marguerite Duras zu verstehen, mit der sich Saire auseinandersetzt: die wechselvolle Beziehung zwischen Liebe und Tod, Vereinzelung und Entfremdung.

Saire spielt auf der dunklen Bühne mit Licht und Schatten, blendet das Publikum, lässt einen schwarzen Magier auftreten, der sich unbeeindruckt zeigt vom Schattenspiel und immer wieder entwischen kann. Am Ende steht nicht der Tod, sondern neues Leben: Die Erwachsenen sind verschwunden, Kinder haben ihre Positionen besetzt.

Rick Takvorian, Kulturmanager der Stadt Aachen, zeigte sich äußerst zufrieden mit dem Erfolg der Auftaktveranstaltung: „Wir waren komplett ausverkauft, es läuft immer besser.” Das Ludwig Forum sei fast zu klein geworden für ein solches Festival, das dieses Jahr in komprimierter Form abläuft.