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Aachen: Schriftkunst in Stahl und Glas

Aachen : Schriftkunst in Stahl und Glas

Vom Sonnengesang des Franz von Assisi bis zur Sure aus dem Koran, vom Sinnspruch Goethes bis zu Michail Gorbatschows Ausspruch „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben” oder Ernesto Cardenals „Gebet für Marilyn Monroe” - all das hat Professor Werner Eikel in immer neuen Varianten sensibler Schriftkunst umgesetzt.

Der anerkannte Aachener Kalligraph, der seine Kunst unter anderem an Studenten der Fachhochschule Aachen weitergab, hat nicht zuletzt für die individuelle Gestaltung jener Urkunden gesorgt, die den Trägern des Internationalen Karlspreises überreicht wurden.

Als Werner Eikel 1998 starb, hat sein Sohn Roland damit begonnen, ein Archiv aufzubauen, Eikels Arbeiten - es sind weit über 300 - zu sortieren, zu sichten und zunächst in einer virtuellen „Galerie” unter Eikels Motto „Was würdevoll gestaltet ist, kann überleben und wird nicht leichtfertig und unüberlegt weggeworfen” so zu arrangieren, dass ein ganz neues Forum entstehen konnte.

„Natürlich fasziniert das Werk meines Vaters noch immer, und es ist mir in den letzten Jahren gelungen, mich ihm auf ganz neue Art zu nähern”, betont Eikel.

Er, der Kaufmann, sieht in Werner Eikels Schriftkunst nun eine „Marke”, die er ausbauen möchte - allerdings in anderer „Verpackung”. „Mit der Kunst sollte man so umgehen, wie mit allen Kulturgütern”, betont er. „Man sollte ihr einen Markt verschaffen, sie weiterentwickeln.”

Nicht mehr ausschließlich feines Pergament oder andere kostbare Materialien sollen Träger der geistreichen Schriften und Motive sein. „Warum nicht auch Edelstahl und Glas”, so Eikel, der bereits Kontakte zum entsprechenden Handwerk gefunden hat und zudem mit ehemaligen Eikel-Studenten zusammen arbeitet.

Computer gesteuerte Produktionsanlagen ermöglichen die Umsetzung der Schriftvorgaben in jeder Größe. Und so kann der besondere Sinnspruch - wetterfest in eine Glasfläche geätzt und von Eikels Hand inklusive Signatur ursprünglich mit Feder und Tusche auf Papier gebannt - als drei Meter hohe durchsichtige Fläche etwa im Garten oder am Haus prangen.

„Von den Blättern werden Filme hergestellt”, erläutert der 38-Jährige. „Eine spezielle Datei bestimmt die Arbeit des Lasers.”

Auch Bildmotive wie etwa markante Köpfe von Pablo Picasso oder Ludwig van Beethoven können so verblüffend genau umgesetzt werden und gewinnen im Material Stahl eine neue Dimension.

Im Rahmen Ausstellung der Mayerschen Buchhandlung in Aachen (Ursuliner Straße) werden ab 5. Juni (Eröffnung 17 Uhr) 40 Werke von Werner Eikel in Kombination mit einigen Objekten der „nächsten Generation” gezeigt.