1. Kultur

Schon vor dem Abi in den Hörsaal

Schon vor dem Abi in den Hörsaal

Aachen (an-o) - Hochbegabte Schüler können seit Beginn des Wintersemesters an der RWTH schon vor dem Abi studieren. Gestern präsentierten Rektor, Professoren und Schüler erste Erfahrungen.

Schon in der Grundschule hat sich Martin-Luther Sera ganz besonders für Mathematik interessiert. Mit 14 nahm der Gymnasiast am Begabtencamp der RWTH teil, mit 16 an den "Mathezirkeln" der Hochschule, mit 17 ist er ihr Student, und "kommt gut mit", wie ihm sein Mentor Professor Eberhard Triesch bescheinigt.

"Hier kann ich alles lernen, was ich wissen will", sagt Martin, dem der Schulunterricht in Mathematik nicht mehr viel zu bieten hat. Der junge Aachener ist einer von zur Zeit acht Schülern der Klassen 12 und 13 aus der Region, die vor dem Abitur an regulären Lehrveranstaltungen der RWTH teilnehmen. Sie legen auch Leistungsnachweise ab, die im eigentlichen Studium anerkannt werden.

Mit diesem Wintersemester hat die RWTH - nach dem Vorbild der Uni Köln - das "Studieren vor dem Abi" in den Fächern Mathematik, Physik und Chemie eingeführt. Um diesen Hochbegabten die Chance zur möglichst frühen Förderung zu geben; ebenso aber zum Frommen der Hochschule selbst.

"Wir haben Mangel in Fächern, die unsere Zukunft sichern und wir sind auf exzellenten Nachwuchs angewiesen", bestätigte Rektor Burkhard Rauhut gestern das seit Jahren bestehende Defizit an Klasse und Masse in den Naturwissenschaften.

Wirtschaft braucht Elite

Nicht minder ist das Interesse der Wirtschaft an solchen "Begabten und Leistungsbereiten mit Durchhaltevermögen", bestätigte Dr. Stephan Kufferath-Kassner. Der sitzt den Vereinigten Industrieverbänden Düren/Jülich/Euskirchen vor, die, wie auch die Aachener Unternehmerverbände, das Projekt mit Zuschüssen zu Fahrtkosten und Büchern fördern.

"Zum Glück kann man ja heute wieder das Wort Elite ohne ideologische Probleme in den Mund nehmen", strich Kufferath-Kassner heraus, dass man im internationalen Wettbewerb auf solche Talente angewiesen sei. Wie die RWTH selbst, die inzwischen mit einem Dutzend Angeboten bis in die Grundschule hinein Schüler für Naturwissenschaft und Technik zu begeistern sucht, unterhalten auch die Unternehmer-Verbände eine Reihe von Förderprogrammen für besonders begabte Schüler in den Gymnasien.

Und wie kommen die Hochbegabten zum "Studieren vor dem Abi"?: "Wir laden die Schulen ein, auf die besonders Wissensdurstigen zu achten, die noch etwas mehr leisten können", erzählt Wolfgang Loggen, der Leiter der TH-Studienberatung. Ein nicht kleines Problem schränkt den Ehrgeiz allerdings ein: Wichtige Vorlesungen liegen zu Zeiten, an denen die Frühstudenten beim besten Willen nicht die Schulbank mit dem Klapppult im Hörsaal tauschen können.