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Aachen: Schon Achilles scheiterte an der Praxisgebühr

Aachen : Schon Achilles scheiterte an der Praxisgebühr

Vergackeiert fühlt sie sich nicht, eher „nett durch den Kakao gezogen”, meint Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt am Ende der Vorstellung im Aachener Jakobshof und schüttelt ihrem „anderen Ich” lachend die Hand: Ullalala Schmidt alias Katrin Schmick.

Mit Bravour hat die Hörfunk-Heldin der Kultserie „WDR 2 Reformhaus Schmidt” auf der ersten von insgesamt vier Tourneestationen durch Nordrhein-Westfalen ihr Live-Programm absolviert. Spott auf Spott, Pointe auf Pointe: Die sonst nur kurzen Radionummern aus der Feder von WDR-Redakteur Andreas Neuhaus ergeben zusammen tatsächlich ein abendfüllendes, 90-minütiges Kabarett.

Staatstragend gerade

Staatstragend kerzengerade, wie es sich für eine Ministerin gehört, sitzt Ullalala auf der Bühne und blickt in einer Mischung aus Mitleid und Triumph auf all die jämmerlichen Zahler der Praxisgebühr herab. „Dabei hab ich mir was gedacht. Wenn die ganze Hektik vorbei ist, fällt mir sicher auch ein, was.”

Als Mutter aller Reformen fühlt sie sich luthergleich als „Reformatorin” und seufzt pathetisch: „Ach, könnte ich meine Reform doch an die Tür des Bundestags hämmern.” Die Zuhörer lachen herzlich, vor allem wohl auch deshalb, weil sie viele von Ullalalas überraschenden Einsichten immer schon geahnt haben: „Politik ist wie Fußball, die Entscheidung darf immer die größte Pfeife treffen.” Ihre ministeriellen Ratschläge sind geradezu universell gültig und von bestechender Logik: „Lebe jeden Tag gesund, dann bist du auch nicht so krank, wenn du stirbst.” Klingt fast nach Konfuzius.

Zwischendurch ruft immer wieder einmal Angelalala an, um sich bei der nobel gekleideten Aachenerin zum Beispiel modisch beraten zu lassen. Die unvermeidliche Perlenkette, die ist gar nicht echt, bekennt Ullalala, aber - gibt sie mit Recht zu bedenken - bei dem, was Politiker überhaupt so von sich geben, sind diese Art Perlen doch durchaus der passende Schmuck.

Ullalala - am Keyboard begleitet von „Dr. Fred” - beweist an diesem Abend eindrucksvoll, dass ihr Horizont weit über die glänzenden Haare der schwarzen Perücke hinausreichen. Die allerdings müsste streng genommen blond sein: „Männer sind vor allem dazu da, sich über uns lustig zu machen. Mit Recht.”

Ob der näselnde Klang von Ullalalas Stimme, verstärkt durch ein an entscheidender Stelle abklemmendes Kassengestell im Gesicht, und die lang gezogenen Endvokale der Wörter, die der gewöhnliche Zeitgenosse eher zu verschlucken pflegt, tatsächlich eine Aachener Sprech-Eigenschaft sind, darf bezweifelt werden. Ulla-Schmidt-typisch und unverwechselbar ist das aber auf jeden Fall.

Im übrigen klärt sich manches Missgeschick der Weltgeschichte ganz von allein auf, vergegenwärtigt man sich wie Ullalala, dass die erste Gesundheitsreform schon in der Antike gegriffen hat: „Achilles hatte unter Kanzler Agamemnon die Quartalsquittung nicht in der Rüstung und nur neun Drachmen dabei. Da hieß es für ihn: Ab in den Olymp.”

Abenteuerliche Schilderungen von ihren Ausflügen als Ullalala Jones in den Reformdschungel geraten bei grünem Licht zum roten Faden des Abends. Irgendwann traf sie dabei einen Eingeborenen auf Neuguinea, der am Schrumpfkopf litt - keine Chance auf Anerkennung: „Schrumpfkopf ist als chronische Krankheit politisch nicht durchzukriegen.” Freund Edmund ruft an: „Lass dich von den Sozis nicht unterkriegen. Anders wär nämlich schlecht.”

Ullalala, das ist für Ulla Schmidt bei Lichte besehen ein Segen, und das hat das „Original” bereits selbst erkannt: „Ullalala ist schon so etwas wie mein Markenzeichen!” Allein an der Frisur könnte das Double noch etwas arbeiten, stellte die Ministerin fest: „Ich gebe Ihnen gern die Telefonnummer meines Friseurs in Berlin.”

Die beiden noch verbleibenden Auftritte in Wermelskirchen und Siegen sind ausverkauft.