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Düsseldorf: Schon 30.000 Klicks für „Sex and Zaziki”

Düsseldorf : Schon 30.000 Klicks für „Sex and Zaziki”

Schweifen lassen kann man den Blick aus dem Düsseldorfer Rheinturm an diesem Donnerstagmorgen nicht. Düstere Wolken versperren die Sicht, die theoretisch bis nach Köln reicht. Andererseits, wer braucht das schon? Touristen vielleicht. Die dürfen aber noch nicht rein.

Das Drehrestaurant auf 174 Meter Höhe öffnet erst um 12 Uhr. Trotzdem geht es zwischen den bereits eingedeckten Tischen geschäftig zu. Kabel liegen zwischen Stuhlbeinen und Paravents. Sie münden in Scheinwerferständer, Mikrofonhalter und einem Kontrollmonitor, hinter dem zwei Frauen sitzen. „Nimm mal das Glas da weg”, lautet ihre Anweisung. „Das verdeckt Pinos Gesicht!”

Sascha Jenschewski reagiert. Mit der freien linken Hand schiebt er das Weinglas an die Tischkante, die nicht im Bild ist. Seine rechte Hand stützt eine Kamera, durch deren Objektiv er das Leben von Alex und Daniel verfolgt, zwei Philosophie-Studenten, Mitte 20, seit fünf Jahren befreundet, Kapuzenshirt und zerschlissene Lederjacke, Sneakers und kultivierter Dreitagebart. Ihr heutiger Einsatz: Trost spenden. Bei Pino, dem die Freundin abhanden gekommen ist.

Alex und Daniel sind die Protagonisten der ersten deutschen Internet-Soap „Sex and Zaziki”. Mit dem Titel sollen bewusst Assoziationen zu den Cocktails schlürfenden Luxusweibchen aus der amerikanischen Erfolgsserie „Sex and the City” geweckt werden. Allerdings im exakt gegenteiligen Sinn: Hier sprechen Männer über Frauen, die Klamotten sind von H&M und nicht von Dolce & Gabbana und statt aus Cocktailgläsern wird aus Null-Fünfer-Bierflaschen getrunken. „Deswegen haben wir uns auch für den Zaziki entschieden.”

Alex Perschel hat ein offenes Lachen. „Zaziki ist was für Normalos, nichts Überkandideltes, eben authentisch.” Das ist auch das Schlüsselwort. Authentisch soll es sein. Deswegen wird an Originalschauplätzen gedreht, die Dialoge sind improvisiert, lediglich eine grobe Handlung ist vorgegeben.

Die wiederum stammt aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz der Macher. Bislang drehten sich die drei im Netz abrufbaren Folgen um Diarrhö beim Date, verhängnisvolle Doppelverabredungen und das studentische Raum-Zeit-Kontinuum nach Alkohol-Nächten. Das wahre Leben eben, „keine Schickimicki-Glitzer-Welt wie in den Vorabendserien”. Daniel Merdan kann den ganzen Rummel, der in den vergangenen Wochen entstanden ist, noch nicht fassen. Eigentlich sollte es nur ein Gag sein, eine Spontanaktion aus einer Bierlaune heraus.

Doch mittlerweile arbeitet der gesamte Freundeskreis fast täglich an den Episoden, die, so es der Lernplan der beiden Examenskandidaten zulässt, wöchentlich erscheinen sollen. Es war die logische Konsequenz auf die mehr als 30000 Klicks, die ihre Seite innerhalb eines Monats hatte, und das ohne Werbung. „Unser Postfach quillt über vor lauter Mails.”

Erste Fans? Daniel grinst. „Das behalten wir für uns.” Auf jeden Fall waren einige der Absender Frauen. „Das wundert mich, eigentlich hatten wir das für Männer gemacht.” Alex hat sich umgezogen, der Dreh steht an. Viel Zeit bleibt ihnen nicht. Zwei Stunden hat ihnen der Restaurant-Pächter gegeben. „Der macht das umsonst. Überhaupt ist es erstaunlich, wie unkompliziert es ist, an bekannten Orten zu drehen.”

Bewusst setzen Perschel und Jenschewski, die die Geschichten konzipieren, auf markante Stellen Düsseldorfs. „Wir wollen den Leuten außerhalb Düsseldorfs zeigen, dass die Stadt mehr zu bieten hat als nur Oberfläche.”

Alex ist ein bisschen aufgeregt. So spontan der Eindruck später im Netz sein soll, so penibel bereitet er sich vor. „War´s gut?”, fragt er Steffi und Nicole, die beiden Monitor-Damen, nach jeder Aufnahme. Synchrones Nicken, einmal sagt Nicole sogar: „War richtig witzig!” Alex und Daniel lächeln erleichtert.