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Leverkusen: Schöne Frauen und starke Cowboys

Leverkusen : Schöne Frauen und starke Cowboys

Was haben eine Dame aus der Münchner Gesellschaft um die Jahrhundertwende und die glamouröse Leinwand-Ikone Marilyn Monroe gemeinsam?

Wodurch ähneln sich ein Sattel tragender Cowboy im Mittleren Westen und ein schlafender Bauernjunge in Bayern? Welches Gefühl kann die Mittagsruhe unter einem roten Schirm ebenso vermitteln wie der Schlaf im Schoß einer schönen Frau?

Antworten auf diese und andere Fragen gibt ab Sonntag in Leverkusen-Schlebusch das Museum Morsbroich. Im Mittelpunkt steht Franz von Lenbach (1836-1904), dessen Todestag sich 2004 zum 100. Mal jährt.

Konfrontiert mit der modernen Kunst

Das Museum begnügt sich nicht damit, den vielseitigen Künstler als Schöpfer von Stilleben, Landschaften, Interieurs, Architekturansichten, Fotografien und Porträts aller Art vorzustellen, sondern will sich kritisch mit ihm auseinandersetzen.

Der Titel der Ausstellung, „Die ganze moderne Kunst über den Haufen werfen”, ist ein Zitat aus einem Brief, den Lenbach 1887 an seine Schwestern schrieb und muss sich bis heute an Urteilen messen lassen, die da behaupten, der Maler habe lediglich nach Fotografien gemalt und sei im Übrigen ein allzu schönfärberischer und schwülstiger Vertreter seiner Zunft, um ihn ernst zu nehmen.

Kurator Gerhard Finckh, zugleich Direktor des Museums, nimmt Lenbach sehr ernst und konfrontiert sein Schaffen deshalb mit Werken von 35 modernen Künstlern.

Kann ein primärer Promi-Porträtist neben Künstlern wie Georg Base-litz, Thomas Ruff, Joseph Beuys, Nan Goldin, Matthew Barney, Wolfgang Tillmanns oder Andy Warhol bestehen? Er kann. 16 verschiedene Themenkomplexe - darunter „Idylle”, „Porträts prominenter Personen”, „Kinder und Jugendliche” oder „Akt” - zeigen mitunter erstaunliche Parallelen, aber auch ganz entgegengesetzte Gedankenwelten auf.

Die im rotweißen Wandwechsel - Lenbach auf roten Wänden, die modernen Künstler auf weißen - angebrachten Exponate stellen auf zwei Etagen zwei Drittel Lenbachs (80) einem Drittel Moderne (40) gegenüber.

Möglich wurde diese hochkarätige Ausstellung nur mit Hilfe von 26 Leihgebern, darunter Museen, Galerien und Privatpersonen.

Der Vergleich von Ölgemälden mit Installationen, Fotografien, Siebdrucken lässt nicht nur den Schluss zu, dass Lenbach als „Malerfürst mit Markenzeichen” - dem Verwenden von Stilelementen der großen Meister - ein ebenso früher wie genialer Vertreter der Selbstvermarktung war, sondern auch, dass sich manche Dinge im Leben nie ändern: Die Anbetung der Schönen und Berühmten, die Träume, die nur im Schlaf oder in der Werbung wahr werden, und der Wunsch nach Geborgenheit, die für kurze Zeit die Welt und alle Sorgen in weite Ferne rückt.