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Düsseldorf: Schnurren mit Pünktchen

Düsseldorf : Schnurren mit Pünktchen

Rossinis fröhlich vor sich hin schnurrende Oper „Der Türke in Italien” ist nicht so leicht zu inszenieren, wie es den Anschein haben mag. Zum einen ist die Handlung eher schlicht bis dämlich, der Plot dient kaum mehr als dazu, die Sänger für ihre halsbrecherischen Kunststücke in Positur zu bringen.

Dann hat die Musik die unangenehme Eigenart, jedes Tönchen wie auf dem Tablett zu servieren, was allen Beteiligten jederzeit volle Konzentration abverlangt. Und dazu ist die Partitur so gespickt mit Gags, dass, will der Regisseur eigene Witze erzählen, er schnell danebenliegt.

Regisseur Tobias Richter unternimmt als Hausherr der Deutschen Oper am Rhein - er geht 2009 als Operndirektor nach Genf - den Versuch eines neuen Blicks auf Rossinis nicht gerade stärkstes Werk und gewinnt ihm interessante Pointen ab. Wenngleich: ab und an trägt er zu dick auf.

Rossinis Librettist Felice Romani hat der wohlfeilen Geschichte von zwei attraktiven Damen und einem genasführten Ehemann einen türkischen Beau auf Brautschau beigefügt, einen betrogenen Liebhaber und einen Operndichter in der Schaffenskrise. Dieser befördert das Gefecht der Geschlechter, um aus dessen Verlauf einen neuen Stoff zu saugen.

Eingefrorene Zeit

Richter nun saugt seinerseits aus der Figur des Dichters diverse inszenatorische Ideen, die das flotte Spiel zu einer Oper in der Oper geraten lassen: Andauernd quetschen sich irgendwelche singenden oder nicht singenden, dafür aber mit Einkaufstüten bewaffneten Menschen durch die erste Reihe des Parketts; die Saaltüren werden zu Spielflächen.

Auf der Bühne friert der Regisseur mit pompösem Lichteffekt die Zeit ein, um den Dichter im Spot aus dem Geschehen treten zu lassen - und treibt mit diesem Lichtkegel überdies lustig gemeinte Nachlaufespielchen. Im ersten Akt sind der Einfälle so viele, dass man schon bald mit dem Kopf schüttelt.

Allerdings, und das fällt der Inszenierung auf die Habenseite, bleibt die Geschichte in Fahrt. Die Figuren sind mit einem Schuss Ironie sympathisch und plastisch gezeichnet. Die Bühne von Ausstatter Gian Maurizio Fercioni zeigt eine Piazza, in der sich mit wenig Schiebeaufwand das Äußere nach innen kehrt und zurück.

Durchaus funktional auch die von links sich einschwingende lange Theke, hinter der Barkeeper Harald seine Späße treibt. Man besichtigt dazu sehr adrett im Design der 50er gekleidete Menschen, wenn sie nicht gerade als uniforme Türken herumlaufen. Das passt auch gut zum Motto der Spielzeit, das „Oper ist fashion” lautet und auf die Uraufführung einer Batistelli-Oper im Januar hinweist.

Geradezu entzückend agiert die Hauptperson des Abends, die lebenslustige Fiorilla, in ständig wechselnden, mit Punkten appetitlich übersäten Garderoben. Marlis Petersen spielt dieses kecke Weibchen nicht nur allerliebst, ihr in allen Lagen sicherer und überaus apart klingender Sopran überstrahlt die Stimmen der Kollegen bei weitem.

Allenfalls der Bass Tomasz Konieczny gewinnt dem Selim auch stimmlich sehr respektable Seiten ab. Bruno Taddia als smarter Dichter Prosdocimo, Alberto Rinaldi als der depperte Ehemann Geronio und schon mit Abstrichen Katarzyna Kuncio als schließlich glückliche Zaida haben musikalisch starke Momente, wozu das von Alexander Joel sehr aufmerksam geleitete Orchester nebst ausgezeichneter Cembalistin maßgeblich beitragen.

Über so manche stimmliche Schwäche aber siegt letztlich die Spielfreude, die das ganze Ensemble samt Chor beschwingt über die zweieinhalb Stunden bis zum Happyend trägt.