Aachen: Schnörkelloser RocknRoller: Manni Holländer ist tot

Aachen: Schnörkelloser RocknRoller: Manni Holländer ist tot

Seine Freunde und Kollegen bezeichnen ihn als Charakter mit großer emotionaler Stärke. Wenn in musikalischer oder menschlicher Hinsicht scheinbar nichts mehr ging, gab es Manni Holländer und sein zutiefst emotional und respektvoll geprägtes Menschenbild als rettendes Ufer.

In der Nacht zum Montag verstarb der Aachener Musiker, Produzent, Songwriter und Studiobetreiber an den Folgen eines Hirntumors in seinem Haus in Aachen-Vetschau im Alter von 58 Jahren.

Arbeit mit Bettina Wegner

Manfred Herten wurde am 8. Mai 1952 in Langerwehe als Sohn eines Vertriebskaufmanns geboren. Seine zwischenzeitliche Residenz, das alte, in den späten 70er Jahren leer stehende Hotel Bellevue am Dreiländerpunkt in Vaals, war für den ehemaligen Gitarristen der Geilenkirchener Prog-rock-Band Tortilla Flat Ideengeber zum Künstlernamen Manni Holländer.

Namensähnlichkeiten zum Tonfilm- und Schlagerkomponisten Friedrich Holländer erschwerten ihm den Eintrag ins Autorenregister der GEMA zunächst. Aber wie so oft in seinem Leben war Humor ein wichtiger Motivator in der rechtlichen Akzeptanz seines augenzwinkernd gewählten Künstlernamens.

Seine erste Gitarre, eine Zwölfsaitige, war ein Weihnachtsgeschenkwunsch. Damals war er 16. Zwei Jahre später studierte er bereits an der Aachener Musikhochschule klassische Gitarre. 1979 legte er die Musiklehrerprüfung an der Musikhochschule Köln ab. Bis 1983 unterrichtete er zwar noch als Dozent für Konzert- und E-Gitarre, aber der Punk-Geist hatte Manni Holländer längst vom trockenen Pädagogendienst befreit.

Nicht wegen der „No Future”-Haltung. Die war ihm zu blöde, respektive er war dafür zu intelligent. Aber die Energie des schnörkellosen RocknRoll stiftete ihn zur Teilhaberschaft an der Aachener New Wave-/Punk-Band Nervous Germans und der Kölner Zeltinger Band an. Vielleicht als gewaltiges Gegengift zu seiner filigranen Gitarrenarbeit auf Bettina Wegners Album „Wenn meine Lieder nicht mehr stimmen.” Als Gitarrist legte er seine Emotionalität mit so großer Intensität in sein Instrument, dass er für viele als vollkommen unterbewerteter Saitenspieler in Erinnerung bleiben wird.

„Manni Holländer lebte, motivierte und organisierte für die Musik, besaß grenzenlose Musikalität, konnte exzellent singen und war immer derjenige in unseren Bands, der von der weiblichen Zuhörerschaft am meisten geschätzt wurde. Er war blond und sah sehr gut aus”, erinnert sich sein Freund Micki Meuser.

Lebensgefährte von Ina Deter

Im Gefüge von Bands führte Manni Holländers Emotionalität manchmal zu Ausbruchsversuchen. Die Ina Deter Band verließ er zwei Mal, weil er die Angriffe der Frontfrau gegen Männer nicht aushielt. Einmal stieg er sogar während eines Konzerts aus der Band aus. Später lebte er, zum Erstaunen vieler Wegbegleiter, 16 Jahre lang mit Ina Deter als Lebenspartnerin in Vetschau.

Holländer trug die Verwunderung mit Leidenschaft, Liebe und Humor. Der war auch im letzten Jahr seines Lebens eine wichtige Stütze für den Menschen Manni Holländer, mit dessen Tod die Musikszene weit über die Grenzen Aachens hinaus ein gutes Stück Menschlichkeit verloren hat.

Mehr von Aachener Zeitung