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Düsseldorf: Schmeichelndes für jedermanns Seele

Düsseldorf : Schmeichelndes für jedermanns Seele

Kuschelig war´s, was für die Seele. Ein bisschen so, wie mit der besseren Hälfte vor dem Kaminfeuer zu sitzen. Nur die Musik dazu war lauter.

Und weil sie von Rosenstolz kam, war sie eben nicht nur flauschig für die Seele, sondern auch ein bisschen frivol, ein wenig zotig, manchmal ziemlich traurig und oft auch humorvoll-trotzig. Eben ein Rundumschlag durch das Gefühlsleben des modernen Großstädters. Von dieser Spezies waren es etwa 7500, die sich in der Düsseldorfer Phillipshalle das seit Wochen völlig ausverkaufte Konzert des Erfolgsproduktes Rosenstolz gaben.

Nun behaupten böse Zungen ja, die Musik sei doch immer irgendwie gleich, Rosenstolz habe drei Songs: Mal geht es eher rockig zu, da kommt dann die hervorragende Begleitband ins Spiel; mal sitzt Peter Plate an einem auf einem Podest in die Höhe gefahrenen Stutzflügel, spielt traurige Weisen, und AnNa R. singt in bester Chansonette-Manier eindringliche Liedtexte; und manches Mal balancieren die beiden haarscharf am Schlager vorbei mit einprägsamen, flotten Liedern.

Eingängig sind sie allemal, die Soundpakete, die Rosenstolz auf Tour dabei haben. Die Auftritte, bei denen AnNa R. nur unwesentlich seltener ihren Aufzug wechselt als Michael Jackson in manchen seiner frühen Konzerte, sind so schön durchchoreografiert. Nicht zuletzt, weil Peter Plate auch hübsch mit seinem Trömmelchen auftritt, den Grundbeat vorgibt und dabei nett mit dem Hintern wackelt.

Dankenswerterweise betätigen sich die beiden zwischen alten und neuen Songs auch noch als Conférenciers, die den eigenen Auftritt moderieren.

Fans hören also nicht nur den Klassiker „Ich geh auf Glas”, sondern bekommen gleich dazu von Plate freimütig erklärt, dass dies ein Lied sei aus einer Zeit, als es ihm sehr schlecht ging. Oder das nicht totzukriegende „Schlampenfieber”, das Peter und AnNa freiherzig mit Erinnerungen an frühere Jahre und Anzüglichkeiten garnieren, gefolgt von Bekenntnissen zur freien Liebe („Sex im Hotel”) und zum großen Tableau der Gefühle („Gib mir Sonne” und „Liebe ist alles”).

Ein bisschen ist ein Rosenstolz-Konzert wie eine zweieinhalbstündige Sitzung beim Psychotherapeuten. Vielleicht, weil sie das, was Otto-Normal-Verbraucher im Alltag bewegt, so schön in Musik und Worte gießen, ohne dabei so spießig wie Reinhard Mey zu sein. Nein, bei Rosenstolz darf´s eben auch ein bisschen unsauber sein, etwas verliebt und manchmal vom Leben enttäuscht, auf der Suche nach Sinn und dem nächsten Kick im Alltagseinerlei. Da ist für jeden etwas dabei. Das ist ähnlich wie beim Wochenhoroskop, irgendwie passt es zu jedem.

Auf der Setlist des Abends stand ein recht bunter Mix aus mehr als eineinhalb Jahrzehnten Rosenstolz; ganz frühe Sachen aus den Anfangstagen in der Berliner Schwulenszene sind ebenso dabei wie ein Best of des dreifach mit Platin ausgezeichneten „Das große Leben”-Album aus dem Jahr 2006 (womit etwa die Hälfte des Abends bestritten wurde), Hymnen wie „Ich bin ich” ebenso wie Nachdenklich-Melancholisches („An einem Morgen im April”) und Schmankerl aus dem neuesten Album, „Die Suche geht weiter”. Und AnNa R. trifft sogar ziemlich oft den Ton. Manchmal klingt das ein bisschen schief. Ist aber egal.

Am Ende des Abends hat man eine wunderbare Seelenmassage bekommen - und viele der wunderbaren Songs als Ohrwurm auf dem Heimweg dabei.