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Düsseldorf: Schlussphase im Düsseldorfer Kofferbomber-Prozess

Düsseldorf : Schlussphase im Düsseldorfer Kofferbomber-Prozess

Gut zehn Monate nach Prozessbeginn rückt für den mutmaßlichen „Kofferbomber” Youssef El H. die Stunde der Wahrheit näher. An diesem Mittwoch wird die Bundesanwaltschaft in ihrem Plädoyer Bilanz ziehen.

53 Verhandlungstage hat der Staatsschutzsenat im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichtes bislang absolviert. 75 Zeugen wurden gehört, das Verfahren füllt inzwischen 190 Aktenordner.

Auf eine Reihe von Zeugen aus dem Libanon musste das Gericht unter Vorsitz von Richter Ottmar Breidling allerdings verzichten: Offenbar aus Angst vor Racheakten von Islamisten gaben sie der deutschen Justiz einen Korb. Das Urteil im Prozess wegen „vielfachen versuchten Mordes” wird dem 24-jährigen Libanesen voraussichtlich am 18. November verkündet.

Youssef El H. soll mit seinem bereits im Libanon zu zwölf Jahren Haft verurteilten Komplizen Jihad H. im Sommer 2006 in Köln zwei Kofferbomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert haben. Dass es sich bei dem jungen Mann, den Überwachungskameras dabei im Trikot von Fußball-Nationalelf-Kapitän Michael Ballack gefilmt hatten, um den Angeklagten handelt, steht inzwischen außer Frage: Er hat es selbst eingeräumt.

Die Verteidigung hat sich in ihrer Strategie ganz auf den Fakt konzentriert, das die Zünder der Sprengsätze zwar klickten und durchzündeten, die verheerenden Feuerwalzen in den Großraumabteilen jeweils in der Mitte der Züge aber ausblieben. Dies sei Absicht gewesen, in letzter Sekunde habe man es sich anders überlegt, argumentierten die Anwälte.

Der Schwachpunkt an dieser Version ist dabei zweifellos, dass die beiden Bombenbastler anscheinend zunächst selbst nicht wussten, warum die Explosionen ausblieben. Dem Vernehmen nach konnte Youssef El H. erst dann mit der tatsächlichen Ursache aufwarten, als diese als Ergebnis der Sachverständigen-Gutachten vorlag.

Als Schwachpunkt der Anklage könnten sich dagegen die Beweismittel aus dem Libanon entpuppen. Dort soll die Justiz beim Ergreifen von Jihad H. nicht zimperlich gewesen sein und dessen Vater kurzerhand quasi als Geisel festgenommen haben, bis sich der Sohn stellte. Andererseits hatten die deutschen Ermittler des Bundeskriminalamts, die den Vernehmungen im Libanon beiwohnten, immer beteuert, diese seien auch nach deutschen Maßstäben rechtsstaatlich abgelaufen.

Mit den Gepäckbomben hatten die beiden Libanesen am 31. Juli 2006 gegen 12.15 Uhr den Kölner Hauptbahnhof betreten - wenige Wochen nach der Fußball-Weltmeisterschaft. Nach Ansicht der Bundesanwälte ist Deutschland damals haarscharf einem der schlimmsten Terroranschläge entronnen. Als Racheakt auf die auch in Deutschland veröffentlichten dänischen Karikaturen des Propheten Mohammed seien die Taten geplant gewesen.

In welcher Gefahr die Menschen in der Nähe der „Höllenmaschinen” sich befanden, wurde ihnen erst klar, als die herrenlosen Koffer aufgefallen waren und geöffnet wurden. Da stockte manchem Bahn-Mitarbeiter der Atem und der Anblick bereitete noch später schlaflose Nächte.