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Aachen: Schlicht, aber voller Wortgewalt: Johannes Kühn

Aachen : Schlicht, aber voller Wortgewalt: Johannes Kühn

„Ganz ungetröstet bin ich nicht” heißt einer der Gedichtbände, die der saarländische Lyriker und Dramatiker Johannes Kühn verfasst hat.

Alltagsidiom seiner ländlichen Heimat, tiefer Glaube und bildstarke Sprache machen seine Lyrik unverwechselbar. Auf Einladung der Europäischen Stiftung Aachener Dom las der 75-Jährige nun aus ausgewählten Gedichten im Oktogon des Doms.

Viele Besucher wollten den mehrfach ausgezeichneten Saarländer erleben - und mit dem Eintrittsgeld den Erhalt des Aachener Doms unterstützen.

Vorgestellt wurde Kühn von Professor Dominik Groß, einem der versiertesten Kenner seines Werks und Kurator der Europäischen Stiftung Aachener Dom.

Groß ist wie Kühn in Bergweiler geboren und lernte den durch Wald und Flur streifenden Dichter bereits als Schüler kennen. Als Direktor des RWTH-Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin am Aachener Universitätsklinikum sieht er sich auch an der Schnittstelle zwischen Religion und Wissenschaft.

Groß zeichnete ein bewegendes Bild des Bergarbeitersohnes, dem das Schicksal keineswegs wohl gesonnen schien. Ohne Abitur, weil eine schwere Krankheit ihm diesen Weg verbaute, eignete sich der junge Kühn später als Gasthörer literarisches Wissen an und arbeitete lange in der Baufirma seines Bruders.

Dörfliches Leben und die Natur hatten Kühn von Kindheit an fasziniert („Nie verlasse ich den Hügelberg”), und schon mit 14 Jahren schrieb er sein erstes Gedicht.

Später war er in den umliegenden Wäldern zu finden, „lässig bis nachlässig gekleidet” (Groß), eigene Lyrik und Gedanken rezitierend. Was ihm den Spott der Dorfjugend eintrug...

Einfach und unverstellt

Einfach und unverstellt zeigte sich der Dichter selbst beim dreifach gegliederten Vortrag mit den Themen „Existenzielle Erfahrungen”, „Biblische Gestalten” sowie „Alter, Tod und Auferstehung”.

Da kamen Gedichte zu Gehör wie „Der Hinkende” oder „Zuversicht”, das auch seinen oft schweren Lebensweg offenbart: „In mir sind Dunkelheiten geknetet/ gebacken schwarz zu einem Kuchen/ Es schläft ein Igel leis/ in mir die Zuversicht.”

Kühns „verdichtende” Kunst, die Schlichtheit und Wortgewalt bruchlos vereint, wird getragen von echter Religiosität statt Bigotterie, von Naturliebe ohne Sentimentalität und Spiritualität fern jeder Spinnerei.

Die Gedichte wurden abwechselnd von Kühn und seiner Herausgeberin und langjährigen Wegbegleiterin Irmgard Rech vorgetragen. Dabei erwies sich, auch wenn der Hallton im Oktogon zuweilen den Hörgenuss störte, dass Kühns schriftstellerisches Wirken, das er Anfang der 80er Jahre einstellte und zehn Jahre später wieder aufnahm, auch so sinnlich und glutvoll ausfallen kann wie beim Gedicht „Dalila”. Ganz neu und frisch: Das für diesen Anlass eigens geschriebene Gedicht „Der Dom zu Aachen”. Mit dem Schlusswort von Dompropst Monsignore Helmut Poqué endete ein ungewöhnlicher Abend.