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Schleuse mit schöner Aussicht

Schleuse mit schöner Aussicht

Maastricht (an-o) - Nach der Erneuerung einer ehedem maroden Schleuse am Bosscherveld ist das alte industrielle Herz von Maastricht wieder per Boot zu erreichen. Rund um das restaurierte Hafenbecken ´t Bassin soll ein blühendes Viertel namens Belvédère entstehen.

Nein, idyllisch sieht es hier wirklich nicht aus - keine Spur von "Schöner Aussicht": Unweit des Maastrichter Hafenbeckens ´t Bassin donnert der Verkehr über den Autobahnzubringer Richtung Aachen und Roermond, Auffahrten schrauben sich förmlich empor, im Hintergrund bestimmen alte Industriebauten das Bild.

Seine Herkunft kann und will das neue Viertel im Norden von Maastricht nicht verleugnen. Zu Zeiten der industriellen Blüte gingen von hier aus hauptsächlich Keramikerzeugnisse über das weit verzweigte niederländische Kanalsystem in alle Welt. Während der letzten Jahrzehnte aber bot das Hafenbecken ein jämmerliches Bild: "Der Hafen war lange Zeit eine der finstersten Ecken unserer Stadt. Das Wasser stank und war so giftig, dass es niemand wagte auch nur einen Finger dort hinein zu stecken", erzählt Mirjam Depondt-Olivers, Wethouder für Stadtentwicklung in Maastricht. Dank EU-Förderung und eines Landesprogramms für die Umwandlung alter Industriebrachen zu Wohngebieten aber erstrahlt ´t Bassin nun wieder in neuem Glanz.

Zwischen restaurierten Altbauten zeigen sich moderne Fassaden, unmittelbar am Wasser verläuft eine Reihe ehemaliger Werftkeller, die jetzt Cafés und Restaurants beherbergen. Damit kann das Viertel zwar kaum mit der Altstadt am anderen Flussufer konkurrieren, ein gewisser Charme ist dem ehemaligen Industriegebiet aber nicht abzusprechen. "Was wir heute sehen ist nur der Anfang. Demnächst werden hier auf einer Fläche von rund 300 Hektar mehr als 4000 neue Wohnungen im Norden Maastrichts entstehen", sagt Depondt-Olivers.

Ehrgeiziges Unterfangen

Zu diesem ehrgeizigen Unterfangen soll nach Ansicht der Stadtplanerin vor allem die Wiedereröffnung der alten Schifffahrtsroute zwischen Maastricht und Flandern beitragen. "Der Wassertourismus wird zur Attraktivität des Stadtteils beitragen"" glaubt sie.

Mit der Inbetriebnahme der Schleuse Nummer 19 wurde in dieser Woche nun das letzte Hindernis auf dem Wasserweg zum Bassin beseitigt. Ohne dieses Bauwerk, das einen Niveau-Unterschied von fast einem Meter zum alten Kanal Richtung Maas-Mechelen in Belgien ausgleicht, würde das Hafenbecken nämlich alsbald trockengelegt.

Mit einem Böllerschuss eröffnete Maastrichts Bürgermeister Gerd Leers die alte Fahrtroute, die ab dem nächsten Jahr im Rahmen von touristischen Rundfahrten erkundet werden kann und ´t Bassin mit der Zuid-Willemsvaart verbindet.

Belastungsprobe Tunnel

Einen Vorgeschmack auf dieses Abenteuer gab Steuermann John Tromp mit seiner schmucken "Maastricht", einem edlen Kahn, der den Bürgermeister samt zahlreicher Honoratioren ins neue Hafenbecken geleitete. Die Route führt durch enge Kanäle, die unzähligen Hausbooten als Ankerplatz dienen, und einen düsteren Tunnel, der sich dank stinkender Dieselmotoren zuweilen als Belastungsprobe für Mensch und Maschine entpuppt. Ist das Nadelöhr der Schleuse Nummer 19 dann gemeistert, geht es Richtung Flandern aber wesentlich entspannter voran. Nachdem der Reisende eine gut 600 Meter lange Festungsanlage passiert hat - die bislang weitgehend unbekannten Kasematten - geht es hinaus in reizvolle grüne Landschaft. Ein Geheimtipp vor allem für Freizeitkapitäne, mit deren "Wasserschalen" sich die Durchfahrt zudem wesentlich komfortabler gestaltet.