Scharfe Blicke hinter die gepflegte Kulisse

Scharfe Blicke hinter die gepflegte Kulisse

Eupen. „Tod in der Sauna” heißt der Krimi, für den die Wahl-Eupenerin Verena von Asten am 13. Februar im Rat der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG) den mit 2000 Euro dotierten „Preis des Rates der DG” für Literatur entgegennehmen darf.

Nicht durch Überhitzung in den Schwitzkabinen, sondern durch vergifteten Tee in der Ruhepause verliert Senta Kroll ihr Leben. Kommissar Birnbaum und seine Nichte Marion, die sich frisch im Polizeidienst befindet, machen sich ans Ermittlungswerk.

Wer hat die Gattin des erfolgreichen Anwalts Dr. Kroll getötet? War es ihr Mann, der Ehekrise und Verhältnis mit der Sauna-Betreiberin Gabrielle Dulaize doch nicht verkraftet hat? War es Gabrielle selbst? Oder hat ihre Tochter Birgitta das Elend ihrer Mutter nicht mehr ertragen können und die Nebenbuhlerin ausgelöscht? Hat vielleicht Sentas Therapeutin Judith, die sichtlich Zuneigung zu ihrer Klientin entwickelte, die Versöhnung Sentas mit ihrem Mann nicht hinnehmen können?

Hinter den Kulissen

Fragen über Fragen, die die Autorin Verena von Asten mit großem Gespür für die psychologischen Hintergründe angeht. „Ich bin vor allem an den Psychogrammen meiner Figuren interessiert”, erzählt die 71-jährige Autorin, „mich interessiert am allermeisten das, was hinter den Handlungen steckt und was die Personen antreibt. Sehr viele Leute haben anfangs gar nicht verstanden, warum ausgerechnet ich als sanfte Person und ausgesprochene Tierfreundin Krimis schreibe. Das konnte ich aber rasch klarstellen, dass es mir nicht um Brutalität geht, sondern um die Entstehung von Gewalt”.

Meistens spielen ihre Regional-Krimis im gehobenen Mittelstands-Milieu - hier entwickeln sich Anwälte oder Wissenschaftler, Therapeuten und Werbefachleute zu Personen mit gewaltigen Schatten. Jeder Einzelne hat eine dunkle Seite, die für andere gefährlich, vielleicht sogar tödlich werden kann.

Die Fragen nach Opfer und Täter lösen sich als krasse Gegenüberstellung auf, was bleibt und lange nachwirkt, ist der berühmte „Thrill”, den die große Patricia Highsmith als eine der ersten atemberaubend zu inszenieren vermochte und der mit der Krimi-Regionalliteratur Verena von Astens nun auch Ostbelgien zu scharfsinnigen Beobachtungen verleitet.

Sie schaut hinter die teils idyllische, gutbürgerlich-gepflegte Kulisse der grenznahen Orte. Mit hohem Wiedererkennungswert beschreibt sie die Lokalitäten, in denen die literarischen Figuren wie die Leser zu Hause sind. So rückt das Böse - und natürlich auch der unterhaltsame Thrill - noch ein Stückchen näher, denn alles Ambiente vom Bäcker um die Ecke bis zum Innenleben von Opfern und Tätern, die Nachbarn, Freunde oder gute Bekannte sein könnten, ist tief vertraut.

In Hauset wohnt Senta Kroll, die in der Sauna sterben musste, auf der Theaterstraße in Aachen jobbte sie in einer Boutique. In der Annastraße führte sie Gespräche mit ihrer Therapeutin, im schönen Naherholungsgebiet Eupener Talsperre liegt die Leiche von RWTH-Professor Müller, und aus dem Gartenpool der Eupener Familie Heusser wird ein Toter herausgefischt, dessen Pass die bekannte Lütticher Straße „En Feronstrée” als Wohnsitz ausgibt.

Vertraute Orte, vertraute Tote und Täter sind die Kennzeichen guter Regionalkrimis, von denen Verena von Asten drei geschrieben hat. „Endstation Talsperre” und „Tod in der Sauna” erschienen im Meyer&Meyer Verlag in der Reihe „Aachener Krimis. Tatort Grenzland”. Ihr letzter, druckfrischer „Schatten der Vergangenheit” ist Anfang Januar beim Grenz-Echo Verlag Eupen herausgekommen.

Verena von Asten kann nicht jeden Tag regelmäßig zur selben Zeit in die Tasten greifen. Dazu hat sie zu viele Verpflichtungen gegenüber Freunden und ihrer großen, auf der Welt verstreuten Familie, zu der mittlerweile vier Enkelkinder gehören. Wenn sie aber an ihrem schönen alten Schreibtisch mit den Fotos ihrer Kinder und Enkel sitzt, genießt sie nicht nur den Blick in die Seelen ihrer durchweg erfundenen Figuren, sondern auch in ihren weiten, von hohen Bäumen umstandenen Garten.

Ein Hundeleben

Immer mit von der Partie ist Schäferhündin Lea, die seit 13 Jahren die Autorin, die auch eine Reihe von Kinder- und Tierbüchern geschrieben hat, begleitet. Ihr widmet Verena von Asten ein Buch, in dem sie mit detektivischen Mitteln der Biografie der Hündin nachspüren will - Lea stammt aus einem Tierheim.

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