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Bonn: Schals und Glühwein: Roxy Music auf der Museumsmeile

Bonn : Schals und Glühwein: Roxy Music auf der Museumsmeile

Ganz Deutschland ist vom Wintereinbruch besetzt... Ganz Deutschland? Nein, eine rheinische Bundesstadt leistet nach wie vor den frostigen Temperaturen heftigen Widerstand.

Dank eines erst jetzt ausgeklungenen Sommer-Festivals, das die Bundeskunsthalle zusammengebraut hat, sind die Bonnbewohner praktisch unbesiegbar.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag trotzten sie sogar dem un- mittelbar bevorstehenden Ende der Sommerzeit - mit dem wohl spätesten Open-Air-Konzert der Republik.

Für den einzigen Roxy-Music-Auftritt in Deutschland zeigten sich alle Beteiligten bestens gerüstet: Die Gäste hatten ihre extra dicken Jacken aus den Schränken geholt, die Band präsentierte sich in Schals und Mänteln, und die Veranstalter kredenzten wärmenden Glühwein.

Die 2001 wiedervereinigten Glam-Avantgardisten spielten knapp anderthalb Stunden und gaben dann noch drei Zugaben. Das Programm entsprach, bis auf eine Streichung und zwei Stücke, deren Reihenfolge ausgetauscht wurde, exakt dem, was Roxy Music bei der „Reunion-Tour 2001” in Dortmund gespielt hatten.

15 Stücke und drei Zugaben boten eine breite Retrospektive. Sie reichte von der Debüt-Single „Virginia Plain” (1972) über „Love Is The Drug” (1975) bis zum Mega-Hit „Avalon” (1982). Hymnen wie „Do The Strand” fehlten ebenso wenig wie der Lennon-Coversong „Jealous Guy”.

Frontmann Bryan Ferry (58) gab in schicker Leder-Anzugskombi und glänzenden schwarzen Lackschuhen noch immer den Dandy, allerdings ist er, ebenso wie Phil Manzanera (52/Gitarre), Paul Thompson (52/Schlagzeug) und Andy Mackay (57/Saxophon), sichtlich gereift. Die drei sind eigenständige, äußerst fähige Musiker und durften das auch zeigen.

Zu den eindrucksvollsten Stücken an diesem Abend gehörte das epische, fast schon orchestrale „A Song for Europe”: Auf sekundenlange Andacht folgte ohrenbetäubender Applaus.

Acht der elf Musiker, die am Samstag in Bonn spielen, waren auch auf der 2001er-Tour dabei. Fast gleiches Programm, fast gleiches Team. Bryan Ferry, so scheint es, will kein Risiko eingehen.

Der Stimmung vor der Bundeskunsthalle tat das keinen Abbruch. Ans Ende der Sommerzeit wollte noch keiner denken...