Gelsenkirchen: „SchachtZeichen”: Leuchten aus der Kohle-Vergangenheit

Gelsenkirchen: „SchachtZeichen”: Leuchten aus der Kohle-Vergangenheit

Der Bergbau gehört zur Identität des Ruhrgebiets. Nichts verbindet die Städte an Rhein und Ruhr mental so sehr miteinander wie die gemeinsame Vergangenheit von Kohle, Stahl und harter Arbeit untertage. Mit „SchachtZeichen” will die Kulturhauptstadt RUHR.2010 genau diese Vergangenheit mit 311 überdimensionalen gelben Ballons an den Himmel malen.

Jeder der Ballons weist auf einen ehemaligen Zechenschacht hin. Rund 2100 freiwillige Helfer sorgen seit dem Wochenende dafür, dass sich das Ruhrgebiet in eine über 4000 Quadratkilometer große Kunstinstallation verwandelt. „Es ist mit Abstand die größte Flächenskulptur, die es je gegeben hat”, sagt RUHR.2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen nicht ohne Stolz.

Nebenbei sollen die Ballons Besucher zu über 1000 Veranstaltungen an den ehemaligen Zechenstandorten leiten.

Von den östlichsten Ballons in Hamm bis fast an die holländische Grenze in Kamp-Lintfort werden dann die Ballons mit einem Durchmesser von knapp vier Metern am Himmel schweben. An einem nur sechs Millimeter dünnen gelben Seil werden die mit Helium befüllten Ballons rund 80 Meter in die Höhe gelassen. Damit die Ballons von den Helfern über Nacht wieder eingeholt werden können, steht an jedem „SchachtZeichen” ein einachsiger PKW-Anhänger mit Seilwinde und Ballongasflaschen.

Besonders von erhöhten Aussichtspunkten wie dem Bochumer Tippelsberg, dem Florianturm in Dortmund oder der Zeche Zollverein in Essen sollen Besucher von morgens um zehn bis abends um acht Uhr ein imposantes Bild sehen.

Nach der Premiere am Pfingstmontag sollen am Samstag die Ballons sogar bis ein Uhr Nachts am Himmel bleiben und mit Halogenstrahlern von innen beleuchtet werden. Allein in Essen werden bei den „NachtSchachtZeichen” 52 Ballons zu sehen sein. In Bochum sind es 40, in Dortmund 38. Heute gibt es im Ruhrgebiet nur noch vier aktive Zechen. Die vielen Ballons sind somit ein Leuchten aus der Vergangenheit.

„Ich habe mir immer wieder vorgestellt, wie das wäre, wenn die Menschen noch einmal sinnlich erfahren könnten, wo die Wurzeln, die Ursachen dieses ganzen Siedlungskonglomerats liegen”, sagt der Ideengeber des Projekts, Volker Bandelow. In den Stadträumen des Ruhrgebiets gebe es viele Schachtanlagen, die nicht einmal Einheimischen mehr bekannt seien. Heute stünden auf den ehemaligen Bergbau-Anlagen Schrebergärten, Schulen oder Autobahnen.

Über 1000 Veranstaltungen wird es an den ehemaligen Schachtanlagen in den neun Tagen geben. So können Besucher allein in Dortmund 16 Stadtteilfeste besuchen.

An vielen weiteren ehemaligen Schachtstandorten wird mit Ausstellungen, Filmvorführungen und Standortbesichtigungen an die Bergbau-Vergangenheit erinnert. Andernorts sollen Musikveranstaltungen, Grillfeste, Kunst- und Trödelmärkte und sogar Fußballturniere die Besucher zu den ehemaligen Schächten locken.

Beinahe wäre das Projekt gescheitert. Vor allem wegen der finanziellen Schwierigkeiten der Ruhr.2010. Aber auch, weil es eines der komplexesten der Kulturhauptstadt ist. „Wir hatten auch nicht gedacht, dass wir so viele freiwillige Helfer finden”, sagt Pleitgen.

Warum sie sich als Freiwillige für die Schachtzeichen meldete, ist für Elke Schumacher ganz klar: „Ich sach nur: Herzblut!”, sagt die Helferin am ehemaligen Schacht 8 Oberschuir in Gelsenkirchen. Die Vergangenheit ist sehr präsent im Ruhrgebiet. Hier nennt man das Tradition.

Mehr von Aachener Zeitung