Würselen: Saxophon-Altmeister Maceo Parker begeistert auf Burg Wilhelmstein

Würselen: Saxophon-Altmeister Maceo Parker begeistert auf Burg Wilhelmstein

Es gibt nicht wenige Fans, die Konzerte von Maceo Parker als Hochamt verehren — als Hochamt des Funk. Dazu gehören selbstverständlich die immer gleichen Rituale. Die Ansage von Managerin Natasha Maddison zum Beispiel, mit der sie den „funkiest Saxophone Player in the World“ auf die Bühne holt.

Die coolen Posen, wie man sie seit 40 Jahren und länger kennt. Die fidelen Call-and-Response-Spielchen mit dem Publikum.

Einstudiert? Versteht sich. Langweilig? Da kennen Sie wohl Maceo Parker nicht! Na klar, der 71-Jährige lässt es etwas ruhiger angehen. Seine Saxophon-Soli sind nicht mehr so dominant und zahlreich, aber immer noch messerscharf. Die ungebremste, testosterongeschwängerte Wucht des Funk ist an diesem Abend auf der Bühne von Burg Wilhelmstein zwar nicht durchgehend zu spüren.

Maceo geht es etwas gelassener an. Aber nicht ruhiger: Bricht das Funk-Gewitter durch (und das ist immer noch regelmäßig der Fall), gibt es kein Halten. Da das Publikum in der Mehrzahl Ü 50 ist, darf man davon ausgehen, dass so manches von Arthrose geplagte Gelenk mächtig durchgeschüttelt wurde.

Parkers Band ist und bleibt grandios: Bassist Rodney „Skeet“ Curtis, Keyboarder Will Boulware, Gitarrist Bruno Speight und der junge Marcus Parker, Maceos Neffe, an den Drums konstruieren ein kompliziertes rhythmisches Grundgerüst mit ständig variierenden Riffs.

Der Meister gibt ihnen und Posaunist Dennis Rollins ausreichend Freiraum für Soloausflüge. Backgroundsängerin Darliene Parker (Maceos angeheiratete Nichte) zeigt, wie viel Sex in Ben E Kings „Stand By Me“ steckt, Kollegin Martha High hat mit Lyn Collins‘ „Think (about it)“ ihren ganz großen Auftritt. Zu Marvin Gayes „Let‘s get it on“ bedankt sich der höfliche Parker bei Gott und der Welt — bis hin zum Busfahrer.

Ansonsten: wie immer bei ihm — zwei Prozent Jazz, 98 Prozent Funk. Viel Improvisiertes (bei diesen Musikern kein Risiko, sondern ein großes Vergnügen), ein bisschen Ray Charles und Sly Stone, reichlich James Brown. „Soul Power“ zum Beispiel, und natürlich „We gonna have a funky good Time“. So war‘s wirklich.

(hjd)
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