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Köln: Samtweicher Einstieg, rockiges Finale

Köln : Samtweicher Einstieg, rockiges Finale

Er hätte es sich sicherlich leichter machen können. Preiswerter wäre das für ihn fraglos. Die größten Hits aus 20 Jahren funktionieren schließlich auch mit kleinerer Besetzung.

Aber Mick Hucknall geht mit seiner Band Simply Red ausgerechnet in dem Jahr, in dem er ein Best-of-Album mit dem Titel „Simplified” herausgegeben hat, den opulenten Weg. Achtköpfige Band plus zwölf Streicherinnen für den soften Hintergrund - das macht ordentlich Eindruck.

Keine Frage, der Aufwand hat sich gelohnt: In der vollbestuhlten und somit mit 7000 Gästen vollbesetzten Kölnarena lässt der 45-jährige Rotschopf aus Manchester keinen Musikwunsch offen. 100 Minuten Popsound vom Allerfeinsten, die Simply-Red-Hitparade funktioniert.

Dass Mick Hucknall an diesem Abend seine Musik neu erfunden hätte, kann man nicht behaupten. Vielmehr setzt er auf seine Schaffenskraft der Vergangenheit, mit drei neuen Songs („Perfect Love”, „Smile” und „A Song for You”) ist der Innovationsanteil schnell besungen.

Aber warum nicht? Die bewährten Stärken reichen, am Ende sind die Fans gerade deswegen gekommen. Simply Red ist Hucknall, Hucknall ist seine Soulstimme, seine Soulstimme ist Emotion - und Emotion ist dieser ganze Abend. Es ist eine tiefe gegenseitige Verneigung voreinander.

Hucknalls Geschenk an seine Fans ist die Darreichung ungezählter Ohrwürmer, die sich wohl auf Tage nicht entfernen lassen. Und der Dank der Fans an Simply Red ist frenetischer Beifall nach jedem Song und ein großes Fest in Köln beim einzigen NRW-Konzert. Man versteht sich eben.

Interessant ist an diesem Abend die Dramaturgie. Die erste halbe Stunde ist ruhig, wirkt fast schon betulich. Aus der Abteilung „Rock-trifft-Klassik” erklingen anrührende Melodien, eine softe, aufreizend harmonische Einstimmung, und man glaubt zu diesem Zeitpunkt kaum, dass daraus noch ein mitreißender Abend werden könnte. Die Bühne erinnert an Konzertsäle vergangener Tage, alles ist nostalgisch angehaucht, bei „For your Babies” lädt Hucknall zum Mitsingen ein - mit verhaltener Resonanz.

Das ändert sich später, so wie das Bühnenbild sich wandelt und von Havanna erzählt. Die musikalische Reise, die der charismatische Rotschopf nun anbietet, führt erneut zu Klassikern - er hat eben so viele -, aber das Reisetempo verschärft sich wohltuend. Die Geigerinnen-Riege legt eine Pause ein, stattdessen stoßen die Bläser ins Blech - und das tut dem Abend gut.

Mick Hucknall, der bislang 50 Millionen Tonträger verkauft hat, hat das genau so geplant. „Tut euch der Hintern weh?”, fragt er auf Englisch und bietet die passende Therapie an: „A new Flame”, „Stars”, „Fair Ground”, schließlich „Something got me started”, die Schlagzahl der aufeinanderfolgenden Hits zeigt Wirkung, am Ende sitzt keiner mehr.

Und ganz am Ende, als mit dem traurig-schönen „If you dont know me by now” der Bogen geradezu meisterlich geschlagen ist, können die Fans das Dargebotene Revue passieren lassen, da fehlte nichts: Funk, Soul, Rock und Blues, ein glänzend aufgelegter Mick Hucknall - ständig singend, manchmal auch tanzend -, großartige Musiker, ein perfekter Sound, ein gelungener Abend. Das war im positivsten Sinne einfach und gut. Simpler: Einfach gut.