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Würselen: Saitenakrobat aus den Niederlanden

Würselen : Saitenakrobat aus den Niederlanden

Es lag eigentlich gar nicht in Jan Akkermans, der am Dienstag um 20 Uhr Gast beim Open-Air-Festival auf Burg Wilhelmstein ist, Interesse, von der internationalen Musikpresse zum Gitarrenhelden erklärt zu werden.

Denn in einen unfreiwilligen Wettbewerb mit gitarrespielenden Popstars wie Eric Clapton getrieben zu werden, zieht Schmach nach sich. Aber 1973 verdrängten Leser und Redakteure des britischen „Melody Maker” Clapton vom Thron der Gitarrengötter und setzten den Niederländer Jan Akkerman als besten Saitenakrobaten an die erste Stelle.

Ganz und gar nicht unverdient, aber seither muss sich Akkerman am Erfolg seiner vermeintlichen Wettbewerber messen lassen. Trotz der Tatsache, dass zwischen seiner Musik und der seiner Kollegen Welten liegen. Akkerman ließ sich in seinem künstlerischen Ausdruck nie einschränken.

„Ich bin froh dass ich mein Dasein als Popstar längst hinter mir habe. Zwar habe ich die angenehmen Seiten des Ruhmes genossen. Aber die Mechanismen, denen man sich als angesagter Musiker unterwerfen muss, sind für die Kreativität eher kontraproduktiv. Sicher, meine Konzerte spielen sich inzwischen im kleineren Rahmen ab, aber ich war lange genug in diesem Geschäft ganz oben und weiß dass es dort ganz schön mies aussieht”, erzählt Jan Akkerman.

Die Zeit, von der Akkerman spricht, waren seine Jahre mit der holländischen Progressive-Jazz-Rock-Formation Focus, die Anfang der Siebzigerjahre weltweit für Furore sorgten. Aus heutiger Sicht unvorstellbar, wurde ihre Instrumentalnummer „Hocus Pocus” zum internationalen Pophit, in dem Akkerman mit unglaublicher Schnelligkeit die kompliziertesten Gitarrengriffe spielte.

Ihr Dasein als Hollands Musikexportschlager Nummer Eins, konnten Focus in den Folgejahren ausbauen, bis Akkerman der Rummel um Focus und deren Musik zu vorhersehbar wurde.

„Wir hatten gerade eine erfolgreiche Tournee durch die USA abgeschlossen, als mich das ewige Studium irgendwelcher Magazine während den langen interkontinentalen Flügen unendlich anödete. Ich hatte mir gerade eine Laute gekauft und fing noch während dieses Fluges an, Lauten-Partituren zu üben.”

Kurzum, Akkerman hatte seine Liebe zu Laute und klassischer Gitarre entdeckt, die er nach dem Ende von Focus mit seinem Solo-Album „Tabernakel” eindrucksvoll demonstrierte. Seither bewegt sich seine Musik so frei von Konventionen zwischen Rock, Blues, Jazz und Klassik, dass ihm manche Kritiker eine gewisse Konzeptlosigkeit attestieren.

Für seine nach wie vor weltweit zahllosen Fans, ist der inzwischen 58-jährige Gitarrist und Komponist hingegen ein Symbol für Virtuosität und Individualität. Am Dienstag dürfen sich seine Fans auf das Unerwartete freuen, wie Akkerman verrät. „Natürlich werde ich auch ein paar Focus-Hits spielen, aber in völlig anderen Versionen. Es wäre doch lächerlich, wenn ich mehr als 30 Jahre später immer noch mit einem Sänger auftreten würde, der in der gleichen Form jodelt, wie es damals bei Focus der Fall war.

Nein, die Jodel-Jahre sind vorbei, aber dafür habe ich eine exzellente, neue Band.”