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Grevenbroich: RWE-Katastrophe noch ungeklärt

Grevenbroich : RWE-Katastrophe noch ungeklärt

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ist der Ursache der Katastrophe vom 25. Oktober 2007 am RWE-Braunkohlekraftwerk Neurath immer noch nicht näher gekommen.

Damals hatte ein Stahlgerüst nachgegeben, war teilweise zusammen gebrochen und ließ drei Arbeiter aus 170 Meter Höhe in die Tiefe fallen. Zwei der Toten, die Slowaken Jaroslav und Patrik Vykoupil (32 und 35) waren Brüder. Bei dem dritten Opfer handelte es sich um den Tschechen Petro Lindorsky (25).

Bei der Trauerfeier im November 2007 hatte NRW-Innenminister Ingo Wolf in seinen Worten an die Angehörigen betont, das Kraftwerk sei „ein gigantisches Puzzle”. Warum es zur Katastrophe gekommen sei, wäre „noch nicht geklärt”.

Überraschend bestätigte der Mönchengladbacher Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff exakt diesen Sachstand auch acht Monate später: „Klar ist nur, dass der Kran nicht der Verursacher des Unglück war.” Die Bergung und Sichtung der herabgefallenen Stahlkolosse habe „große Probleme” bereitet: „Die Sachverständigen sind immer noch bei der Arbeit.” Dies gelte wohl auch noch „mindestnes für die nächsten ein bis zwei Monate”.

Vor diesem Hintergrund führt die Staatsanwaltschaft weiterhin reine „Todesermittlungen”, die sich derzeit „gegen keine bestimmten Personen” richten. Offen ist demnach weiterhin, ob es sich „um ein technisches oder menschliches Versagen” handelt.

Derweil sind die Folgen des tragischen Geschehens für den Kraftwerkbetreiber RWE Power inzwischen klarer: „Wir werden einen Bauverzug von einem Jahr haben und rechnen mit einer Fertigstellung Ende 2010, Anfang 2011”, so RWE-Sprecher Lothar Lambertz. Erst dann gelte grünes Licht für eine Stromversorgung, die auf acht bis zehn Millionen Menschen ausgerichtet ist. Die Leistung des Kraftwerkes soll 1050 Megawatt betragen.

Doch trotz der Katastrophe , so Lambertz, seien die Arbeitsabläufe wieder „zügig” aufgenommen worden: Dabei gelte es zu bedenken, dass das Unglücksareal nur einen Hektar betrage, während sich die gesamte Baustelle auf 50 Hektar ausdehnen würde: „Wir konnten die Arbeit am zunächst zurück gestellten Kraftwerkblock G dem gesperrten Unglücksblock F vorziehen.” Dafür habe freilich der mit 200 Höhe größte Kran der Welt versetzt werden müssen. Zur Dimension des Kolosses sagt der RWE-Sprecher: „Der kann vier vollbesetzte Jumbos gleichzeitig hochziehen.”

Nach dem Ende der Ursachenforschung durch die Gutachter plant die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach eine Pressekonferenz.

Kran wiegt 3000 Tonnen und trägt 1600 Tonnen

Der größte Kran der Welt, der in den RWE-Unfall involviert aber nicht verursachend war, misst exakt 207 Meter und wiegt 3000 Tonnen. Das Gerät hat eine Tragkraft von 1600 Tonnen und eine Tragseillänge von zehn Kilometern.

In 124 Seecontainern wurde der Kran auf die RWE-Baustelle geliefert, 30 Mitarbeiter waren 14 Tage lang damit beschäftigt, den Lastenheber von der Unfallstelle des Kraftwerkblockes F zum neuen Einsatzort an Block G zu manövrieren und neu aufzubauen.

Nur drei Arbeiter sind notwendig, um den mit Dieselaggregat betriebenen Kran zu betätigen.