Weeze: Rund 80.000 Besucher feiern beim Parookaville-Festival in Weeze

Weeze : Rund 80.000 Besucher feiern beim Parookaville-Festival in Weeze

Pass öffnen, Stempel rein. Die Regeln sind im grünen Ausweisdokument festgelegt: Wahnsinn wird von den Bürgern gefordert. Sie sollen hier ihr Leben zelebrieren. So die Vision, die hinter dem größten Elektro-Festival Deutschlands steckt. Rund 80.000 Besucher aus etwa 40 Ländern haben drei Tage lang beim Parookaville in Weeze gefeiert.

Mit ihrer „Einbürgerung“ verneunfachte sich die Einwohnerzahl der Gemeinde am Niederrhein, in der eigentlich 10.000 Menschen leben.

Rund 150.000 Quadratmeter Nebengelände des Flughafens Weeze verwandelten sich zum vierten Mal in eine riesige Party-Stadt. Auf zwölf Bühnen legten 250 DJs auf, darunter international erfolgreiche Größen der Elektro-Szene wie der Franzose David Guetta, Steve Aoki, Axwell Ingrosso oder die deutschen DJs Robin Schulz und Felix Jaehn. Gewaltige Licht- und Soundeffekte und eine aufwendige Kulisse versetzten die Feiernden in andere Welten.

Diese Welt lebte vor allem vom Konzept der Festival-City. Die Bürger hatten hier viele Möglichkeiten des Zeitvertreibs in der Stadt auf Zeit: Sie konnten das Postamt, die Beautyfarm, das 700 Quadratmeter große Freibad mit Seepferdchen-Option oder das Gefängnis mit Tattoo-Künstlern besuchen. Im Stadtwald wurde gechillt, auf der Food-Meile gespeist. Außerdem sorgten eine Art Kirmes mit Achterbahn, Wasserrutschen sowie Bungee-Jumping für den Adrenalin-Kick. Wer es lieber gemütlich mochte, konnte im nostalgischen Riesenrad Platz nehmen.

Beeindruckend war vor allem die Hauptbühne, die mit einer Länge von 200 Metern und einer Höhe von 37 Metern einer riesigen alten Fabrik des Wilden Westens glich. Für viele Besucher ein Highlight des Festivals. „Die Atmosphäre ist einfach mega, die Kulisse der Wahnsinn“, sagte zum Beispiel Besucherin Amanda, die zum ersten Mal beim Parookaville-Festival war.

Gute Stimmung — und etwas Kritik

Die Stimmung war augenscheinlich gut. Die Menschen bildeten eine tanzende, singende, mal springende oder grölende Masse. „Hier gehören einfach alle zusammen wie in einer Familie“, meinte Besucherin Jenny, die aufwendigen Federschmuck im Haar trug. Vieler solcher bunter Outfits mit Glitzer, Blumen oder Tiermotiven — vor allem aber mit Extravaganz — zeichneten das Gesamtbild.

Von schlechter Laune war keine Spur. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Denn für Kritik sorgte die Bar „Wacky Shack“, an der kleinwüchsige Menschen an einer „Mini-Bar“ sogenannte „Kurze“ ausgaben. Der Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF) sieht darin eine Missachtung der Menschenwürde und hat sich an die für Weeze zuständige Behörde gewandt. Die kleinwüchsigen Bar-Betreiber selbst verteidigen ihre Aktion als eine Art Kunstprojekt, das die Besucher zu einer anderen Perspektive bewegt.

Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Nicht anzufechten ist aber, dass das Parookaville-Festival mit seiner Diversität die Kulturlandschaft Nordrhein-Westfalens bereichert. Auch im nächsten Jahr wollen wieder Zehntausende Menschen nach Weeze ziehen und als Bürger des Parookaville die Stadt in den Ausnahmezustand versetzen.