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Gelsenkirchen: Ruhrtriennale: Turbulenzen schon vor der Premiere

Gelsenkirchen : Ruhrtriennale: Turbulenzen schon vor der Premiere

Sie gilt als die umfangreichste kulturpolitische Initiative in Deutschland nach der Wende: Die Herbstsaison der Ruhrtriennale vom 31. August bis 13. Oktober unter der Leitung von Gérard Mortier steht unmittelbar bevor.

Auftakt in der Zeche Zollverein in Essen ist ein Abend unter dem Motto „Deutschland, deine Lieder”, aber es gibt noch viel mehr im gesamten Ruhrgebiet zu sehen und zu hören.

Salzburg, Edinburgh und Avignon sind erfolgreiche europäische Kultur-Festivals, die der am Samstag beginnenden Ruhrtriennale Maßstäbe vorgeben.

Der prominente Belgier Gerard Mortier wurde als Gründungsintendant nicht zuletzt deswegen engagiert, weil ihm der Ruf vorauseilte, er habe die Salzburger Festspiele für das 21. Jahrhundert fit gemacht.

Jetzt muss er sich an den Leistungen messen lassen, die ihm seine profilierten Kollegen vorgeben. Das Land Nordrhein-Westfalen, das die erste Ruhrtriennale bis 2004 mit 41 Millionen Euro finanziert, erhofft sich weithin leuchtenden kulturellen Glanz für das ehemalige Kohle-Revier.

Mortier hatte bereits Schwierigkeiten mit vielversprechenden Projekten: Um Künstler und Kulturmanager der Region einzubinden, hatte er die renommierten Mülheimer Theatertage gebeten, einen Dramatiker zu benennen, der ein Stück für das Fest schreiben sollte.

Zur Eröffnung des neuen Festivals hat Gründungsintendant Mortier einen Liederabend angekündigt, junge Dramatiker mit klingenden Namen wurden als Autoren genannt: John von Düffel und Moritz Rinke.

Matthias Hartmann, als Bühnenleiter in Bochum bundesweit gefeiert, soll Regie führen. Keine vier Wochen vor der Uraufführung teilte das Pressereferat der Triennale mit, dass von Düffel und Rinke aussteigen, um sich „ihren anstehenden anderen künstlerischen Projekten” zuzuwenden.

Spekulationen über massive künstlerische Konflikte standen im Raum. Der Münchner Jungdramatiker Albert Ostermaier sprang ein.

Die meisten Projekte sollen nicht in Theatern, sondern in Industrie-Baudenkmälern des Ruhrgebiets über die Bühne gehen, wie der Liederabend zur Eröffnung in der Essener Zeche Zollverein.

Die Industrie-Anlage birgt das Erbe deutscher Ingenieurskunst, die über Jahrzehnte im Bergbau weltweit führend war; weist auf Kämpfe für soziale Gerechtigkeit; auf Bergarbeiter, die den Mythos vom „Kumpel” schufen, dessen Schweiß und Fleiß den Wohlstand in der Bundesrepublik mitbegründet hat. Diese Dimensionen geben die Spielorte vor: Die Aufführungen dürfen nicht dahinter zurück bleiben - und müssen ein Publikum finden, das große Säle füllt.

Ruhrtriennale, 31. August bis 13. Oktober, , Infos Touristikzentrale Essen 0201/8872024, Ticket-Hotline 700 2002 3456 (0,12 Euro/Min.), Vorverkauf auch an allen Vorverkaufsstellen, die an NRW-Ticket angeschlossen sind.