Aachen: Roman Kim begeistert im 4. Aachener Sinfoniekonzert

Aachen: Roman Kim begeistert im 4. Aachener Sinfoniekonzert

Italienisch ging es im 4. Abonnementskonzert des Aachener Sinfonieorchesters zu. Offensichtlich strahlte das Programm mit Werken von Respighi, Paganini und Mendelssohn eine so starke Anziehungskraft aus, dass kein Platz im Eurogress freigeblieben ist. Keine Selbstverständlichkeit für ein Konzert mit einem Gastdirigenten.

Die größte Überraschung boten aber weder die Werkfolge noch der Chef der Grazer Oper, Dirk Kaftan, sondern der 23-jährige russische Geiger Roman Kim, der mit dem extrem schwierigen 1. Violinkonzert von Paganini bereits vor zwei Jahren in Köln debütierte.

In Aachen meisterte er die Tücken des Werks so souverän, dass für ihn spieltechnische Probleme nicht zu existieren scheinen. Mit großem Ton und blitzsauberer Intonation bewältigt er die gemeinen Doppelgriffe, die heiklen Flageolett-Kaskaden, die wüsten Läufe und unbequem eingestreuten Pizzicato-Einlagen nicht nur, er beherrscht sie.

Schade, dass die virtuose Politur des Werks wenig Aufschluss über die Musikalität eines Solisten zulässt. Immerhin deuteten die lyrischen Passagen an, dass Roman Kim auch jenseits virtuoser Akrobatik Außergewöhnliches leisten dürfte. Die Begeisterung des Publikums fiel entsprechend frenetisch aus.

Brillante Klangmalerei

Ottorino Respighis klingende Liebeserklärungen an seine Heimatstadt Rom gelten als Musterstücke brillanter Klangmalerei. Die ausgewählten „Fontane di Roma“ ließen erkennen, dass sich Kaftan redlich Mühe gab, die impressionistische Farbigkeit der vier Tondichtungen subtil wiederzugeben. Über weite Strecken gelang das auch, weniger allerdings die rauschhaften Höhepunkte, in denen sich, wie üblich im Eurogress, der Klang unangenehm verdickte.

Die größte Herausforderung hatte das Orchester mit Mendelssohns „Italienischer“ Symphonie zu stemmen. Ein transparent in-strumentiertes Scherzo in vier Sätzen im Fahrwasser der federleichten „Sommernachtstraum“-Musiken. Das sah Kaftan allerdings anders. Er setzte die Musik unter starken Druck, so dass sich hektische Nervosität einstellte, wo tänzerische Grazie oder, wie im Menuett, melodischer Charme angesagt wären.

Dass die Musiker des Aachener Sinfonieorchesters ihre filigranen Partien und selbst das rhythmisch stolperanfällige Saltarello-Finale erfreulich präzis ausführten, spricht für das hohe Spielniveau des Orchesters. Auch auf diese Leistung reagierte das Publikum mit verdient starkem Beifall.

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