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Rom spricht Arnold Janssen heilig

Rom spricht Arnold Janssen heilig

Steyl (an-o) - An der Wiege seiner Gründung standen Bismarck und der Kulturkampf in Deutschland: Arnold Janssen (1837-1909) musste die Steyler Missionare notgedrungen in den Niederlanden gründen. Morgen wird der weitsichtige Priester in Rom heilig gesprochen.

Wenn die Menschen heute von Steyl an der Maas, einem Teil der Gemeinde Tegelen südlich von Venlo, als "Klosterdorf" sprechen, so ist das vor allem Janssen geschuldet. Doch über eines dürfen die drei imposanten Klostergebäude (in einem leben Männer, in zwei weiteren eine beschauliche und eine missionarische Schwesterngemeinschaft) nicht hinwegtäuschen: Die Anfänge gestalteten sich eher bescheiden - in einem eingeschossigen alten Gasthaus, wo Janssen und die Seinen am 8. September 1875 den heute weltumspannenden Orden als "Gesellschaft des göttlichen Wortes", dem lateinischen Namen zufolge mit "SVD" abgekürzt, gründeten.

Glauben nicht aufdrücken

Wenig später kam noch ein zweiter Mann hinzu: der Südtiroler Josef Freinademetz (1852-1908), ein China-Missionar, der heute mit Janssen zur Ehre der Altäre erhoben wird. Während der Mitstreiter aus dem Land südlich des Brenners in das ferne asiatische Kaiserreich weiterzog, blieb der aus Goch bei Kleve stammende Janssen stets seiner Heimat treu.

Was zeichnet nun den Ordensstifter aus? Benedikt Vallendar, Pressesprecher der Missionsprokur der Steyler Missionare in St. Augustin bei Bonn, beschreibt es so: Arnold Janssen sei nicht etwa ein Mann gewesen, der den missionierten Völkern auf fast allen Kontinenten so einfach das europäische Ideal katholischen Christentums hätte aufdrücken wollen. Vielmehr habe der Gründer den Glauben in jeweils einheimischen Vorstellungen einbetten wollen. Und das sei wohl mit der Grund, aus dem Rom die Heiligsprechung vorangetrieben habe. Sein Ideal sei gewesen: "Wer Menschen bekehren will, muss zuerst mit ihnen leben und ihre Kultur kennen lernen." Eine Tatsache macht Janssens Heiligsprechung zur Sensation: Er ist der erste Mann aus Deutschland überhaupt, der nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils kanonisiert wird, wie das in der Fachterminologie der Kirche heißt.

10.000 Männer und Frauen

Wenn Arnold Janssen heute durch das nur sieben Kilometer von Deutschland entfernte Steyl und die anderen Klöster der Gemeinschaft streifen würde, dann wäre er vermutlich höchst zufrieden. Rund 60 Missionare, 85 Missions- und knapp 30 Anbetungsschwestern leben heute im "Klosterdorf" an der Maas, das im Zweiten Weltkrieg von SS-Horden und Kriegsschlachten heimgesucht wurde. Weltweit umfasst die Steyler Missionsfamilie rund 10.000 Männer und Frauen - Tendenz steigend, besonders in Ländern wie Indonesien und den Philippinen. Das würde Sankt Arnold Janssen und dem heiligen Josef Freinademetz vermutlich sehr gefallen.